Ulm in der Basketball-Bundesliga : Über Alba Berlin zum großen Rekord

Ulm hat in der Bundesliga bisher alle 25 Spiele gewonnen und einen 47 Jahre alten Rekord eingestellt. Gegen Alba will der Vizemeister am Samstag die alleinige Bestmarke aufstellen.

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Rayman Morgan könnte mit Ulm gegen Alba Berlin einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellen.
Rayman Morgan könnte mit Ulm gegen Alba Berlin einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellen.Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Der Schlachtruf der Basketballfans in Ulm ist nicht gerade originell, dafür aber ziemlich prägnant. „Uuuuulmer“ brüllen die Anhänger des Bundesligisten leidenschaftlich gern und infernalisch laut. In der Vergangenheit ging der Schrei aus dem Südwesten der Republik im Getöse um die Branchenführer Bamberg, FC Bayern und Berlin jedoch meist unter. Die drei großen B’s gewannen in aller Regel die Titel, die ambitionierten Ulmer schieden ehrenhaft aus. Damit scheint in dieser Saison Schluss zu sein, statt der drei B’s steht das große U an der Spitze der Tabelle – und das ohne Niederlage. Mit 25 Siegen in Serie hat das Team von Trainer Thorsten Leibenath einen 47 Jahre alten Bundesliga-Rekord von Bayer Leverkusen eingestellt. Mit einem Sieg im Heimspiel gegen Alba Berlin am heutigen Samstag (20.30 Uhr) können sich die Ulmer die alleinige Bestmarke sichern.

Seit Wochen wird Leibenath auf die Siegesserie angesprochen, mittlerweile scheinen ihm die Fragen nach der rauschenden Saison seiner Mannschaft fast schon unangenehm zu sein. „Dafür können wir uns nichts kaufen, darauf dürfen wir uns nichts einbilden“, sagt der 41-Jährige. „Für mich spielt die Serie keine Rolle.“ Lieber lobt Leibenath seine Spieler und deren außergewöhnlich hohe Motivation. Am vergangenen Wochenende habe er den Rekord nach dem 25. Sieg in Bonn kurz in der Kabine angesprochen, wirklich interessieren würde die Bestmarke seine Spieler aber nicht.

Richtig erklären kann Leibenath auch nicht, wieso seine Mannschaft die Liga in dieser Saison bislang so dominiert. „Ich würde mir auch gerne auf die Schulter klopfen – aber ich mache nichts groß anders als in den letzten Jahren“, sagt er. Grundsätzlich versuche er, jedes Spiel mit der gleichen Akribie und Konzentration vorzubereiten: „Wir differenzieren nicht zwischen Bamberg und Vechta, wir spulen immer dieselben Routinen ab.“

Das versuchen auch andere Trainer, normalerweise lassen sich Ausrutscher zwischen Bundesliga, Europapokal und Reisestress aber nicht vermeiden. Irgendwann sind die Spieler mental erschöpft und körperlich in einem Tief. „Ich hatte dieses Jahr aber nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass die Mannschaft in einem Loch steckt“, sagt Leibenath stolz.

Im Vorjahr verlor Ulm im Finale gegen Bamberg

In der vergangenen Saison waren die Ulmer nach einem schwachen Saisonstart bis in die Finalserie gestürmt, in der sie Bamberg unterlagen. Danach gelang es dem Vizemeister, seine Mannschaft weitestgehend zusammenzuhalten und punktuell zu verstärken. Viele Spieler scheinen es nach etlichen Niederlagen gegen die großen deutschen Teams satt zu haben, am Ende doch immer mit leeren Händen dazustehen. „Es war nett, dass wir im Finale waren“, sagt Leibenath. „Aber wir haben nichts Zählbares vorzeigen können. Das ist für die Spieler ein großer Antrieb.“

Zählbar sind 25 Siege irgendwie schon, in den Trophäenschrank stellen kann man sie aber natürlich nicht. Nach Möglichkeit wollen die Ulmer am Ende der Saison endlich einmal mit dem Meistertitel dastehen – und nicht wie so oft mit leeren Händen. Dafür spricht, dass sie bislang eine große mentale Stärke und einen enormen Willen bewiesen haben, auch in knappen Spielen behielt Ulm zuletzt stets die Nerven. Leibenaths Team war auch die einzige deutsche Mannschaft, die Meister Bamberg in dieser Saison schlagen konnte.

Finanziell hat sich Ulm in den vergangenen Jahren ebenfalls enorm entwickelt, seit 2011 verfügt der Klub auch über eine moderne und stets gut gefüllte Arena. Mit den drei großen B’s will sich Leibenath aber trotzdem nicht in eine Reihe stellen. „Wir müssen noch den Beweis erbringen, dass wir in diese Gruppe gehören“, sagt der Trainer. „Wir haben noch keine Play-off-Serie und bis auf das Pokal-Halbfinale 2014 gegen München noch kein entscheidendes Spiel gegen Bamberg, München oder Berlin gewonnen.“

Das soll sich in dieser Saison ändern – auch wenn die Siegesserie in den Play-offs nichts mehr wert ist. „Es muss schon ein bisschen was klappen, damit man 25 Spiele in Serie gewinnt“, findet Thorsten Leibenath. „Das sollte uns doch auch in den Play-offs helfen.“

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