Ultimate Fighting : Tiefschläge und Kopf-Tritte sind verboten

Innenminister Thomas de Maizière bezeichnete die Kämpfe einst als „abscheulich“. Nun will sich Ultimate Fighting auf dem deutschen Markt etablieren und das Boxen angreifen – heute wird in Berlin gekämpft.

David Digili
Beim Ultimate Fighting (hier Dennis Siver, rechts, gegen Conor McGregor) ist mehr erlaubt als beim Boxen. Tiefschläge und Tritte gegen den Kopf sind jedoch verboten. Foto: imago/ZUMA Press
Beim Ultimate Fighting (hier Dennis Siver, rechts, gegen Conor McGregor) ist mehr erlaubt als beim Boxen. Tiefschläge und Tritte...Foto: imago/ZUMA Press

Berlin - Die Antwort kommt blitzschnell. „Wir werden endlich als Athleten anerkannt – nicht mehr als Hooligans und Rowdys abgetan.“ So antwortet Joanna Jedrzejczyk auf die Frage, was sich denn in jüngster Zeit an der öffentlichen Wahrnehmung von Ultimate Fighting geändert habe. Die 27-Jährige ist Strohgewichts-Titelträgerin der Ultimate Fighting Championship (UFC), der weltweit populärsten Kampfsportliga, in der verschiedene Stile nach dem Mixed-Martial-Arts-Prinzip kombiniert werden können. Am heutigen Sonnabend wird die Polin in der Arena am Ostbahnhof gegen die US-Amerikanerin Jessica Penne ins Oktagon steigen – jenes markante, von Maschendrahtzaun eingefasste Achteck, das UFC-Gegenstück zum Boxring.

Die „Fight Night“ in Friedrichshain ist längst kein Test mehr – Ultimate Fighting will sich fest in Deutschland etablieren. 2010 noch hatte die Bayrische Landeszentrale für neue Medien einen Ausstrahlungsstopp der Shows erwirkt, die damals noch im Abendprogramm von DSF (heute Sport 1) liefen – mit Verweis auf „massive Gewalt“. Innenminister Thomas de Maizière bezeichnete die Kämpfe als „abscheulich“. Besonders in Osteuropa, Skandinavien und Großbritannien ist der Sport dagegen äußert populär. Es geht um Gewalt, doch Ultimate Fighting könnte sich mit dem Hinweis selbst verteidigen, dass Boxen schlimmer sei. Seit 1990 kamen – Trainingsvorfälle eingerechnet – drei Kämpfer beim Ultimate Fighting ums Leben. Im Boxen waren es knapp 200.

„Ich glaube, die Darstellung des Ultimate Fighting in seiner Anfangsphase wirkt noch immer nach“, sagt Dennis Siver. 2007 war der heute 36-Jährige der erste deutsche Kämpfer mit UFC-Vertrag. An diesem Sonnabend ist er ebenfalls im Einsatz. Mitte der 90er noch galt der UFC-Leitspruch „Es gibt keine Regeln“. Auch in den USA untersagten viele Bundesstaaten die Programme des in Las Vegas eingetragenen Unternehmens. Erst zur Jahrtausendwende, sieben Jahre nach der ersten großen UFC-Show 1993, wurde ein einheitliches, umfangreiches Regelwerk installiert – inklusive der Verpflichtung zum Tragen von Handschuhen und dem Verbot von Tiefschlägen und Tritten gegen den Kopf, wenn der Gegner am Boden liegt.

Ab 1. Juli greifen zudem schärfere Anti-Doping-Vorschriften. Die gut 600 UFC-Vertragskämpfer sollen nun regelmäßig getestet und bei Verstößen härter bestraft werden. In der Vergangenheit mussten nach positiven Testergebnissen mehrfach Kampfansetzungen kurzfristig geändert werden. Dem einstigen Aushängeschild Jon Jones wurde nach diversen Vergehen und einem wohl unter Drogeneinfluss verursachten Unfall mit Fahrerflucht im April der Titel aberkannt. „Ich möchte nicht sagen, dass es ein Drogenproblem gibt“, kommentierte Kämpfer Demetrius Johnson die neuen Regeln. „Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Das Image indes hat sich weiter gewandelt. Ultimate Fighting ist ernsthafter Konkurrent des Boxens geworden. Die Sendung „UFC on Fox“ sahen in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. In mehr als 150 Länder werden die Shows übertragen – und wohl bald auch wieder in Deutschland. Im Januar hat das Verwaltungsgericht München das TV-Verbot gekippt.

„Wir arbeiten fieberhaft daran, schnellstmöglich einen TV-Partner präsentieren zu können“, kündigte David Allen an. Der Brite ist verantwortlich für das Geschäft in Europa, Asien und Afrika. „Wir kratzen erst an der Oberfläche unserer Möglichkeiten.“ Derzeit sollen aussichtsreiche Gespräche mit der ProSieben-Sat1-Gruppe laufen. Die „Fight Night“ wird nur im Internet und bei Bezahlanbietern im Fernsehen zu sehen sein.

2012 startete die Frauen-Division. Um die extrovertierte Bantamgewichts-Titelträgerin Ronda Rousey reißen sich Vermarkter und TV-Shows. Den letzten Rousey-Kampf im Februar wollten 590 000 US-Kunden im Pay-per-View sehen. Zum Vergleich: Der Boxkampf von Wladimir Klitschko gegen Bryant Jennings im April war kostenlos im Abo des Senders HBO enthalten. Joanna Jedrzejczyk ist noch weit von solch einem Status entfernt. Wenige Tage vor dem Kampf gegen Jessica Penne twitterte sie ein Foto von sich beim Verzehr einer Packung – Penne. Etwas Rowdytum muss es dann doch noch sein.

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