Sport : Um die Vase im Galopp

Quijano steht in Hongkong vor dem schwersten Rennen seiner Karriere

Hartmut Moheit[Hongkong]

Peter Schiergen war am Freitagmorgen so locker wie schon lange nicht mehr. Er stand auf der Galopprennbahn in Sha Tin, Hongkong, hatte gerade seinen Job erledigt, und alles war hervorragend gelaufen. Schiergen, der Trainer, hatte mit Quijano gearbeitet, dem fünfjährigen Spitzenpferd aus dem Gestüt Fährenhof. Noch 48 Stunden bis zum großen Auftritt, die Spannung steigt. „Ich bin wirklich guten Mutes, dass Quijano ein großes Rennen zeigt“, sagt Schiergen. Das Toppferd steht jetzt gehörig unter Druck. Am Sonntag steigt das Rennen um die Hongkong Vase, ein 2400-Meter-Rennen, mit 1,4 Millionen Euro dotiert. Ein Spitzenereignis. Wer hier vorne ist, gehört zur absoluten Weltspitze.

Quijano ist einer der beiden Favoriten. Der zweite ist Dylan Thomas, Sieger des Grand Prix de l’Arc de Triomphe. „Er wird Quijano das Leben sehr schwer machen“, sagt Schiergen. Er hat als Trainer in diesem Jahr bereits 15 Siege in Gruppe-Rennen erreicht, aber ein Erfolg in Hongkong würde alles überstrahlen.

Die Idee, den Acatenango-Sohn Quijano hier starten zu lassen, entstand nach dem starken Auftritt des Fünfjährigen in Dubai Anfang des Jahres. Danach gewann Quijano im September den Großen Preis von Baden-Baden, ein Gruppe-I-Rennen. Das gab den Ausschlag für die Reise nach Hongkong.

Welche Hochachtung die Kombination Quijano, Schiergen und Jockey Andrasch Starke in der ehemaligen britischen Kronkolonie genießt, zeigt ein Bericht der „South China Morning Post“ vom Freitag. Da wird Schiergens erfolgreiche Karriere als Jockey (1471 Siege) und danach als Trainer dargestellt. Nur eine Episode fehlte: Der Trainer war schon mal in Hongkong, zum Jahreswechsel 1995/1996. Schiergen, zu jener Zeit mit 271 Erfolgen in einer Saison der beste Jockey in Europa, hatte damals als erster deutscher Jockey überhaupt den Trip nach Hongkong gewagt. „Damals war alles noch anders als heute. Du warst Freelancer, musstest alles selbst bezahlen und hattest keinen Jockeyclub hinter dir“, sagt der 42-Jährige. In vier Wochen gelangen ihm zwei Siege. Jockeys, die jetzt in Hongkong eintreffen, genießen geradezu Luxus: Sie werden eingeladen und können zudem noch sehr gutes Geld verdienen. Alle hoffen im Rennen um die Hongkong Vase auf eines der üppigen Platzgelder.

Aber auch Schiergens Optimismus im Hinblick auf die Favoritenrolle von Quijano stößt an Grenzen. „Wenn es am Sonntag ans Satteln des Pferdes geht, dann kommt bei mir das mulmige Gefühl in der Magengend“, sagt der Trainer.

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