Umbruch in Köpenick : Junges Union

Die Köpenicker wollen einen Umbruch im Sommer - daher setzt der 1. FC Union nun verstärkt auf Nachwuchsspieler.

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Bitte nur kurz belichten. Quiring drängt es nicht ins Rampenlicht.
Bitte nur kurz belichten. Quiring drängt es nicht ins Rampenlicht.Foto: Wolff

Berlin - Der Blick geht nach unten, die Stimme wird leise. Christopher Quiring ist anzusehen, was er denkt. „Das Tor zu machen, war leichter“, sagte der Mittelfeldspieler des 1. FC Union nach dem Spiel gegen Energie Cottbus. Quiring hatte beim 4:2-Sieg der Berliner seinen ersten Treffer in der Zweiten Liga erzielt, und nun musste er sich den Fragen der Reporter stellen. Dass ihm das nicht ganz geheuer ist, wurde schnell deutlich. Immer dann, wenn der 20-Jährige in die Nähe von Mikrophonen kommt, wird aus ihm wieder ein Junge, der sich am liebsten hinter den Älteren verstecken würde.

Auf dem Platz verhält sich Quiring anders. Zurückhaltung ist ihm da fremd, und es wirkt, als wären ihm 19 000 Zuschauer allemal lieber als zwei Fragensteller. Quiring fühlt sich mit dem Ball am Fuß freier als ohne, sein Spiel ist gekennzeichnet von einer Mischung aus jugendlicher Frische und Abgeklärtheit. Seine Auftritte in den vergangenen Wochen haben Lust auf mehr gemacht – Lust auf mehr Jugend.

Im Sommer wird es beim 1. FC Union einen Umbruch geben. Der Kader soll jünger werden, die Spielweise frischer. Vor dem Spiel gegen Cottbus verabschiedete der Verein acht Spieler, die als nicht mehr entwicklungsfähig gelten.

Im Gegenzug sollen Spieler geholt werden, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Wie Berkay Dabanli etwa, der am Montag zum Probetraining in der Alten Försterei war. Der Verteidiger von Bayer Leverkusen ist erst 20 Jahre alt und würde damit ideal in die Verjüngungspläne passen. Aber auch dem eigenen Nachwuchs soll eine wichtigere Rolle beim 1. FC Union zukommen. Mit Christoph Menz und Quiring konnten in dieser Saison bereits zwei Spieler von sich reden machen, die in der Jugendabteilung der Köpenicker ausgebildet wurden. Menz hat sich sogar als Stammspieler etabliert, Quiring pendelte meist zwischen Platz und Ersatzbank. Auch Bone Uaffero, Steven Skrzybski, Maurice Trapp oder Oliver Hofmann trainierten regelmäßig beim Zweitligateam mit.

Vor allem dem talentierten Stürmer Skrzybski und Verteidiger Uaffero ist zuzutrauen, dass sie mittelfristig den Sprung in die Profimannschaft schaffen. Union würde die verstärkte Einbindung des eigenen Nachwuchses auch finanziell zugute kommen. Der Verein ist nach wie vor darauf angewiesen, ablösefreie Spieler zu verpflichten und beim Gehalt keine großen Zugeständnisse zu machen. „Wir werden unserer Linie in dieser Hinsicht treu bleiben“, sagte Teammanager Christian Beeck erst kürzlich. Je mehr eigene Spieler sich einbinden lassen, desto besser. Dass eine radikale Verjüngung des Kaders auch Risiken in sich birgt, wissen die Verantwortlichen des 1. FC Union. Deshalb wurden die Verträge mit erfahrenen Leistungsträgern wie Daniel Göhlert, Christian Stuff oder Torsten Mattuschka im Frühjahr verlängert. An ihrer Seite sollen sich die jungen Spieler in der kommenden Spielzeit entwickeln.

Christopher Quiring wird dann schon seine zweite Saison im Profikader des 1. FC Union bestreiten. Und vielleicht fällt ihm dann nicht nur das Toreschießen leichter.

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