Sport : Umsonst gebettelt

Stefan Hermanns

über die Absage von Otto Rehhagel Ist was passiert? Otto Rehhagel wird nicht Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Na und? Wenn die Europameisterschaft in Portugal halbwegs normal verlaufen wäre, wenn Frankreich wie erwartet den Titel gewonnen hätte, durch ein 2:1 im Finale gegen Tschechien, wenn sich die Favoriten Portugal und Spanien in ihrer Gruppe durchgesetzt hätten, wenn also Griechenland nicht einmal ins Viertelfinale gekommen wäre – wer hätte dann überhaupt von Otto Rehhagel gesprochen? Von diesem kauzigen Trainer mit den seltsamen Methoden, den die Bundesliga nicht mehr haben wollte und der deshalb Nationaltrainer eines fußballerisch zweitklassigen Landes geworden war.

Natürlich steht der Deutsche Fußball- Bund (DFB) jetzt ziemlich blöd da, weil nach Ottmar Hitzfeld bereits der zweite Wunschkandidat für den Posten des Bundestrainers abgesagt hat. Der Unterschied ist, dass sich diesmal der ganze DFB blamiert hat, und nicht nur sein Präsident. Nicht Gerhard Mayer-Vorfelder war es, der sich die Absage abholte, sondern der Kaiser selbst, Franz Beckenbauer, dem doch angeblich alles gelingt. Der wahrscheinlich sogar den Papst zum Übertritt zum Buddhismus bewegen könnte. Jetzt aber hat er es nicht mal geschafft, Rehhagel dazu zu überreden, seinen Traumjob anzutreten.

Das sagt einiges über Otto Rehhagel aus – nicht das Schlechteste. Rehhagel hat den schwierigeren Weg gewählt. In Griechenland wäre er als Halbgott abgetreten, und in Deutschland hätte er gleich auf demselben Niveau anfangen können, nachdem die Boulevardpresse zuletzt zu reinen Rehhagel-Jubel-Postillen geworden war. Der neue Nationaltrainer hätte den Rückhalt bekommen, den Rudi Völler nicht mehr zu haben glaubte. In Griechenland aber wird er an dem kaum zu wiederholenden Erfolg bei der EM gemessen. Schon in der WM-Qualifikation gegen Gegner wie Dänemark, die Türkei und die Ukraine lauert das Scheitern. Aber Rehhagel sagt, dass er einen Vertrag mit den Griechen habe und dass er den erfüllen wolle. Das mag altmodisch klingen. Aber daran hat sich Otto Rehhagel noch nie gestört.

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