Umstrittene Trainer : Löw ist nicht allein

Auch andere Nationaltrainer sind in ihren Verbänden nicht wohlgelitten. Oftmals ertragen sie es einfach.

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Trainer von eigenen Gnaden. Diego Maradona, argentinischer Nationalheld, ist immun gegen alle Misserfolge. Foto: dpaEFE

Ein guter Trainer kann nur dann ein erfolgreicher Trainer sein, wenn auch das Umfeld stimmt. Ein Rückblick auf drei frühere Kollegen des Bundestrainers Joachim Löw und, aus aktuellem Anlass, ein Ausblick auf den Trainer des nächsten deutschen Gegners:

Am 3. März geht es in München im WM-Test gegen die Argentinier. Die würden ihren Trainer Diego Maradona wohl gerne loswerden, aber nicht weil er zu viel Geld verdienen oder die Macht im Verband AFA übernehmen will. Geld hat Maradona genug und Macht sowieso, er war ja mächtig genug, sich quasi selbst zum Nationaltrainer zu ernennen. Das Problem ist, dass er seinen Job schlecht macht. Argentinien verfügt über ein breites Angebot an Fußballspielern, die ihr Geld an prägenden Positionen in den besten Ligen der Welt verdienen. Es hat aber auch einen Trainer, der Taktik und langfristige Planung für ein Zeichen von Schwäche hält. Gerade erst wollte er für das Testspiel am Mittwoch gegen Jamaika einen frisch Operierten nominieren und vier Profis, die einen Tag zuvor mit ihrem Klub in der Copa Libertadores spielen. Als Maradona nach dem letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay seinen Kritikern die Freuden des Oralverkehrs empfahl, hoffte die Nation für kurze Zeit auf Erlösung. Der Weltverband Fifa beriet über Sanktionen, doch es reichte nur zu einer zweimonatigen Sperre. In München darf Maradona seine Mannschaft wieder betreuen und Joachim Löw die Hand schütteln.

Ähnlich wie Diego Maradona ist auch Luis Aragones ein Mann von eher ungehobelter Ausdrucksweise. Der spanische Verband RFEF beließ ihn trotz mehrerer Skandälchen im Amt, als es im Sommer 2008 zur Europameisterschaft in die Alpen ging. Allerdings ließ man ihn wissen, dass es nach dem Turnier vorbei sei, auch mit Verweis auf seinen bevorstehenden 70. Geburtstag. Aragones war ein wenig beleidigt und trieb doch die traditionell schwache Nationalmannschaft zu nie erlebter Stärke. Dennoch musste er nach dem Finalsieg über Deutschland seinen Abschied nehmen. Nachdem ein anschließendes Engagement bei Fenerbahce Istanbul scheiterte, fühlt sich Aragones mit seinen bald 72 Jahren übrigens fit, wieder eine Nationalmannschaft zu übernehmen. Es muss ja nicht die spanische sein.

Kuriose Volten schlug der englische Verband FA, als Sven-Göran Eriksson vor der WM 2006 in Deutschland ins Gerede kam. Der Schwede war der erste Ausländer im heiligen Amt des Nationaltrainers, er hatte England zu allen großen Turnieren seit 2002 geführt, dort aber jeweils nicht allzu viel erreicht. Für Deutschland 2006 sahen sich die Engländer als Mitfavoriten. Sie reagierten ein wenig irritiert, als Eriksson bei einer als Vertragsgespräch getarnten Unterhaltung mit einem Scheich über Nationalspieler herzog und sich beim Traditionsklub Aston Villa ins Gespräch brachte. Der Scheich war ein Journalist und Eriksson blamiert. Die FA debattierte über eine Entlassung und verschob diese doch lieber auf die Zeit nach der WM. Eriksson durfte also weitermachen und nominierte für die WM prompt die gerade von schweren Verletzungen genesenen Wayne Rooney und Michael Owen und den Nachwuchsmann Theo Walcott, der noch kein einziges Premier-League-Spiel bestritten hatte. Es kam, was in solchen Fällen kommen muss: Owen verletzte sich früh, Rooney flog beim Achtelfinal-K.-o. gegen Portugal vom Platz und Walcott kam auf eine Nettospielzeit von null Minuten.

Mehr Glück und Erfolg hatten die Italiener mit ihrem Trainer. Marcello Lippi stand bei der Federazione Italiana Giuoco Calcio nie zur Disposition, obwohl er der Beteiligung am Korruptionsskandal um Juventus Turin verdächtigt wurde. Noch kurz vor der WM fragte die Zeitung „Il Messaggero“ besorgt: „Wie geht es Lippi? Befindet er sich in der psychologischen Verfassung für ein solches Abenteuer?“ Lippis Spieler gaben die finale Antwort auf dem Rasen, am 9. Juli im Endspiel gegen Frankreich.

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