Sport : Umstrittener Jugendschutz

Volleyball-Weltverband beschränkt Ausländereinsätze und erntet harte Kritik

Frank Bachner

Berlin - Der Volleyball-Weltverband FIVB nennt das Ganze „Regel 1.6.1.4“. Stelian Moculescu und Kaweh Niroomand wählen eine eingängigere Formulierung: „Schwachsinn.“ Sie sagen wirklich „Schwachsinn“, übereinstimmend, ausgerechnet Moculescu, der Bundestrainer und Coach des Deutschen Meisters VfB Friedrichshafen, und Niroomand, Manager des SC Charlottenburg. Die Beiden sind sich so zugetan wie Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine. Wenn sie den gleichen Tenor haben, bedeutet das aus ihrer Sicht Alarmstufe eins.

Die Regel 1.6.1.4 besagt, dass alle nationalen Vereine ab der Saison 2010/11 nur noch zwei Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen haben, die nicht für die Nationalmannschaft des Landes dieses Vereins spielberechtigt sind. Der umstrittene FIVB-Chef Ruben Acosta ließ diese Regel am Montag vom Administration Board der FIVB beschließen. Bis 2010/11 soll eine Übergangsregelung greifen. Die FIVB will die Jugendarbeit der Verbände stärken und verhindern, dass finanzstarke Klubs die besten Spieler aufkaufen. Die FIVB könnte dabei aber mit EU-Recht kollidieren. Denn das legt fest, dass ein EU-Bürger im EU-Bereich eine freie Wahl des Arbeitsplatzes genießt. Dem aber widerspräche die neue Regel. Offiziell wird die Regel aber erst eingeführt, wenn es dafür beim FIVB-Kongress am 16./17 Juni eine Mehrheit gibt.

Für Niroomand passt die sowieso „nicht in den Zeitgeist“. Gerade Ausländer hätten „das Niveau in der Liga angehoben“. Nun würde es noch schwieriger, gute Ausländer zu bekommen. Die Topstars aus dem Ausland ziehen sowieso lieber nach Italien oder Russland, wo sie am meisten kassieren können. Den SCC selber würde die neue Regelung zwar auch treffen, aber weniger als andere Klubs, die vor allem auf ausländische Profis setzen. „Die bekommen jetzt richtig Panik.“

Er sagte keinen Namen, aber es ist klar, dass er auch den VfB Friedrichshafen meint. Der deutsche Serienmeister hat neun Ausländer, darunter sechs aus der EU, unter Vertrag. Kein Wunder, dass VfB-Trainer Moculescu erklärt: „Wir müssen weiterkämpfen, dass dieser Schwachsinn ein Ende hat. Jetzt müssen sich die Verbände organisieren.“ Die derzeit vier besten Teams in Deutschland haben insgesamt 28 Ausländer im Kader. Moculescu befürchtet einen dramatischen Qualitätsverlust der Teams. Außerdem gebe es in Deutschland aktuell nicht genügend Spieler für einen Ligabetrieb mit 13 Mannschaften. Und ein Verein wie Friedrichshafen werde nur durch Auftritte in der Champions League fürs Fernsehen oder Sponsoren interessant. Aber mit der neuen Regel könne der VfB die Champions League vergessen.

Zudem befürchtet Moculescu, dass die Nationalmannschaft Schaden nimmt. Einige der Auswahlspieler verdienen ihr Geld im Ausland, sie dürften dann nur bedingt eingesetzt werden. Das Beispiel Kuba zeige, wohin das führe. „Kuba hat das Spielen in ausländischen Ligen nicht gestattet, nun hat es den Anschluss an die Weltspitze verloren.“ Werner von Moltke, der Präsident des deutschen Volleyball-Verbands, bleibt erstmal diplomatisch: „Ich begrüße, dass es eine Übergangsregelung gibt, so dass die Vereine Planungssicherheit haben.“

FIVB-Chef Acosta kennt natürlich das EU-Recht, er kennt auch die Gegenargumente gegen seine Regel. Aber das alles lässt ihn ziemlich kalt. Er sagt: „Soll die EU doch kommen. Wir ziehen vor jedes Gericht, das die EU möchte.“

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