Sport : Umweg nach oben

Guido Grünheid spielt bei Alba Berlin kaum – dafür aber heute in der Basketball-Nationalmannschaft

Sven Simon

Koblenz. Henrik Dettmann hat so seine Eigenarten. Wenn der Bundestrainer seine Spieler für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft nominiert, kümmert es ihn nicht, ob sie in ihrem Verein viel spielen. Ein Beispiel ist Stefano Garris. Der Flügelspieler kommt bei Meister Alba Berlin nur von der Bank. Bei der WM im vorigen Sommer stand er in der Startformation und spielte stark. Vor den beiden abschließenden Spielen der Qualifikation zur EM weicht Dettmann von seiner Linie nicht ab. Am Mittwoch geht es in Koblenz gegen Mazedonien, am Samstag in Leverkusen gegen Kroatien. Gewinnt die DBB-Auswahl dort, ist sie Gruppensieger. Qualifiziert ist sie bereits.

Mit Guido Grünheid steht ein 20-Jähriger im Kader, der bei Alba erst 29 Minuten zum Einsatz kam. Dazu steht Johannes Strasser, 20, auf der Ersatzliste. Er spielt bei RheinEnergie Cologne nur selten. Zudem wird der Bamberger Steffen Hamann, 21, sein Debüt geben. „Das sind Spieler, die internationales Potenzial haben“, sagt Dettmann. „Und deshalb sind sie unsere Zukunft.“ Man nutze die Möglichkeiten, junge Spieler langsam an die Nationalmannschaft heranzuführen. Der Erfolg bestätigt das Konzept. Vor 15 Monaten hat man den früheren Berliner Misan Nikagbatse das erste Mal zum Lehrgang eingeladen, vor einem Jahr hatte er seinen ersten Einsatz, und bei der WM im Sommer spielte er sich in die Notizbücher vieler NBA-Klubs.

Wieder zurück im Team ist der Frankfurter Pascal Roller. Dettmann hatte ihn nachnominiert, da mehrere Spieler angeschlagen sind. Der erfahrene Aufbauspieler der Opel Skyliners wollte nach der WM nicht mehr spielen, da er mit seinen Einsatzzeiten unzufrieden war. Jetzt, wo er helfen kann, ist er aber „gerne wieder dabei, denn mein Ziel ist es nach wie vor, in der Nationalmannschaft zu spielen“. Aus der WM-Formation fehlen damit fünf Spieler: neben Dirk Nowitzki, der mit Dallas mitten in der NBA-Saison steckt, der Berliner Jörg Lütcke (Kreuzbandriss) und der Frankfurter Center Robert Maras wegen einer Magen-Darm-Grippe. Marko Pesic und Henrik Rödl von Alba dürften pausieren. „Marko hat mir gesagt, dass er müde ist und gerne aussetzen möchte“, sagt Dettmann.

Das Fehlen von Pesic hat Licht auf Denis Wucherer geworfen. Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft spielt in Leverkusen eine starke Saison, macht die meisten Punkte aller deutschen Spieler. Wie Pesic ist er ein kreativer Flügelspieler, der das Spiel leiten kann. Er könnte also die Lücke füllen. Trotzdem berücksichtigt Dettmann ihn nicht. Er hat ein funktionierendes System mit einigen Leistungsträgern und Rollenspielern, die ihre Aufgabe akzeptieren. Als Rollenspieler eigne sich Wucherer nicht, sagt Dettmann, er brauche eine tragende Rolle. Und dafür müsse er „sein Spiel auf ein höheres Niveau bringen“. Nur für zwei Partien holt er den 29-Jährigen nicht zurück, um ihn vor der EM in Schweden im September wieder auszusortieren. Dettmann denkt langfristig.

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