Sport : Umweg über Hamburg

Wie sich Sebastian Stefaniszin bei den Eisbären als Torhüter aufgedrängt hat

Claus Vetter

Berlin - Vor acht Jahren ist Sebastian Stefaniszin hinter Rob Leask hergelaufen. Als junger, aufgeregter Eisbären-Fan mit Autogrammwunsch. „Rob hat sogar für ein Foto mit mir posiert“, erinnert sich der heute 18 Jahre alte Berliner und lacht. Denn Fotos mit Leask sind für ihn nichts Besonderes mehr: Am Sonntag siegten die Eisbären 4:3 bei der Düsseldorfer EG, mit Verteidiger Leask und mit einem souveränen Debütanten Stefaniszin im Tor. „Natürlich war ich vorher nervös“, sagt er. „Aber das half mir, im Spiel die Konzentration zu finden.“

Für Stefaniszin war das 4:3 sogar schon der dritte Sieg gegen die DEG in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), nahm doch seine Karriere einen kuriosen Verlauf: Über den Umweg Hamburg hat der junge Berliner den Sprung ins Profiteam seines Klubs geschafft. Bei den Freezers hatten sich gleich vier Torhüter verletzt. Die Hamburger baten die Berliner Anfang Dezember um Hilfe – wieder einmal. Denn zuvor hatte schon Youri Ziffzer ein paar Spiele für die Freezers absolviert. Die Begeisterung über die auch vom Klubeigner gewünschte Hilfestellung für Hamburg – die Berliner gehören wie die Freezers zum Imperium der Anschutz-Gruppe – hielt sich bei den Berlinern aber in engen Grenzen. Schwächen wollten sie sich nicht, also schickten sie ihren vierten Torhüter nach Hamburg. Stefaniszin hatte zuvor nur bei der zweiten Mannschaft, den Eisbären Juniors, in der Oberliga gespielt. Viel erwartet wurde von ihm daher in Hamburg nicht. In der lokalen Presse wurde er vor seinem Engagement bei den Freezers schon als „Mini-Eisbär“ verspottet. Zu Unrecht, denn Sebastian Stefaniszin übertraf alle Erwartungen, kassierte nur acht Tore in vier Spielen. Hamburgs Trainer Mike Schmidt attestierte ihm „unglaubliche Reflexe und erstaunlich starke Nerven für einen 18-Jährigen“.

Stefaniszin sagt: „Hamburg war ein Traum, die Spiele bei den Freezers haben mir einen Schub gegeben.“ Für Berlin: Denn er durfte nach der Rückkehr von den Freezers bei den Eisbären als Ersatz für Tomas Pöpperle auf der Bank sitzen. Und als nun Trainer Pierre Pagé bei Pöpperle einen Durchhänger ausgemacht hatte, gab er Stefaniszin am Sonntag sogar den Vorzug vor Ersatztorhüter Ziffzer. Beim heutigen Spiel der Berliner in Kassel soll zwar Pöpperle spielen, „aber Donnerstag gegen Duisburg komme ich vielleicht wieder zum Einsatz“, erzählt Stefaniszin. „Das hat mir der Trainer gesagt.“ Allerdings, sagt Manager Peter John Lee, solle ein 18-Jähriger nicht voreilig „hochgejubelt“ werden. „Als Golfer hätte Sebastian jetzt die Profilizenz erhalten, aber noch kein Preisgeld gewonnen.“

Abseits der Eisfläche hat der selbstbewusste junge Mann mit der Kurzhaarfrisur schon längst an Erfahrung gewonnen. Als er im Dezember mit Hamburg sein erstes Spiel gegen Düsseldorf gewann, feierten ihn 12 000 Zuschauer. Mit unglaublicher Souveränität nahm Sebastian Stefaniszin das hin: Nach dem Spiel machte er einen Purzelbaum für die Fans und hielt sich danach das Bein. Eine Schrecksekunde für die Hamburger Fans. Hatte sich etwa wieder einer ihrer Torhüter verletzt? Nein, der junge Mann aus dem Berliner Bezirk Wedding hatte mit seiner Aktion nur Hang zum Humor bewiesen. Nach dem ersten Sieg gegen die Düsseldorfer EG in der DEL wurde er dann aber doch noch überrascht. Der Autogrammjäger von einst fand sich in einer neuen Rolle wieder: „Ich musste so viele Autogramme schreiben wie in meinem ganzen Leben nicht.“

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