Sport : Unabsichtliches Handspiel

Schiedsrichter Amerell sagt, wann der Arm den Ball berühren darf

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NACHSPIEL

AOLArena Hamburg, 87. Minute. 1:1 zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen: Der Hamburger Mahdavikia schießt aufs Tor, doch auf der Linie wehrt der Bremer Stalteri den Ball mit dem Arm ab. Schiedsrichter Fandel lässt das Spiel weiterlaufen und zeigt mit einer Geste: Stalteris Arm war am Körper. Die Hamburger Spieler protestieren, und ihr Trainer Toppmöller sagt später, es hätte Elfmeter geben müssen, weil sich Stalteri einen Vorteil verschafft habe. Stimmt das, Herr Amerell?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Der Schiedsrichter hat ausschließlich zu beurteilen, ob der Spieler den Ball absichtlich mit der Hand berührt hat oder nicht. Absicht liegt dann vor, wenn die Hand zum Ball geht. In diesem Fall hat Stalteri den Arm weggezogen, also war die Entscheidung des Schiedsrichters, keinen Elfmeter und keine Rote Karte zu geben, hundertprozentig richtig. Auch die Richtungsänderung des Balls spielt bei der Beurteilung keine Rolle. In der vergangenen Saison hat zum Beispiel Markus Schroth von 1860 München beim Spiel gegen Hertha BSC den Ball an die Hand bekommen. Von seiner Hand ist er dann ins Tor geflogen. Das Tor war gültig, weil keine Absicht vorlag. Da gibt es nur Schwarz oder Weiß.

Auch bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hatten wir einen ähnlichen Fall, als Torsten Frings im Spiel gegen die USA den Ball auf der Linie mit der Hand abgewehrt hat. Frings hatte versucht, den Arm wegzuziehen, deshalb war sein Verhalten korrekt. Natürlich wurde diese Szene intensiv diskutiert, denn Frings’ Arm lag nicht am Körper, er war leicht ausgestreckt. Aber der Schiedsrichter hat dies als Bestandteil seiner Körperhaltung im Spielablauf ausgelegt. Das war gutes Spielverständnis des Schiedsrichters. Eine unnatürliche Hand- oder Armhaltung darf der Spieler nicht haben. Er darf sich nicht wie ein Handballtorwart auf die Linie stellen, um die Bälle abzuwehren. Denn ausgestreckte Arme sind keine natürliche Haltung eines Spielers. So ist er nicht auf die Welt gekommen.

Manfred Amerell (56) erklärt im Wechsel mit Hellmut Krug eine aktuelle Szene des Spieltags der Fußball-Bundesliga aus Regelsicht. Foto: dpa

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