Sport : Unbekümmert aufgeschlagen

Der Kanadier Mark Dodds führte die SCC–Volleyballer zum Sieg über Düren

Karsten Doneck

Berlin - Mark Dodds schnappte sich den Ball. Von Anspannung keine Spur. Ruhig und abgeklärt stand er da. Dann schlug der Kanadier auf. Scharf, risikoreich, aber auch präzise. Drei Mal nacheinander, drei Mal ein Ass. Aus dem 7:5 wurde ein 10:5. Im Tiebreak war damit die Basis gelegt für den 3:2 (25:20, 20:25, 23:25, 25:20, 15:10)-Sieg des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg gegen Evivo Düren. Und beim SCC reifte danach die Erkenntnis: Angstgegner bleibt nicht auf ewig Angstgegner. Die Dürener hatten in den vorangegangenen zwölf Spielen den SCC zehn Mal besiegt.

1300 Zuschauer fühlten sich über zwei Stunden lang exzellent unterhalten. Den Spielverlauf in fünf Akten, nicht durchgängig hochklassig, hätte ein fantasiebegabter Dramaturg am Schreibtisch kaum besser hinbekommen. Und als Dodds im Tiebreak seine Aufschläge mit solcher Gewalt ins Feld des Gegners geprügelt hatte, dass man meinte, auf dem Boden der altehrwürdigen Sömmeringhalle würden an den Einschlagstellen des Balles für immer Dellen zurückbleiben, da versank alles, was an diesem Abend mit dem SCC sympathisierte, in völlige Volleyball-Glückseligkeit.

Dodds selbst war sich seiner Hauptrolle in diesem Stück gar nicht bewusst. „In meinem Spiel waren Höhen und Tiefen“, sagte er. Und die Aufschlagserie im Tiebreak? Vom aufschlagenden Spieler fordern solche Situationen in Sekunden wichtige Entscheidungen: Risiko oder Sicherheit – was ist besser? Dodds handelte intuitiv und unbekümmert. „Ich habe mich konzentriert und dann mein Bestes gegeben“, sagte er.

Nur: Das Beste von Dodds ist dem SCC nicht immer gut genug. „Wir wissen, dass er einen Mordsaufschlag hat“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand, „aber ihm fehlt noch die Konstanz, bei ihm sehe ich noch Luft nach oben.“ Auch für Michael Warm, den Trainer, gab es Komponenten, die den Spielausgang gegen Düren mehr beeinflussten als Mark Dodds. Da war zum Beispiel Milan Vasic. Der sonstige Diagonalangreifer wurde beim SCC im dritten Satz eingewechselt – als Außenangreifer. „Milan hat die Mannschaft wachgerüttelt, er hat den nötigen Spirit reingebracht“, lobte Warm.

Spektakulärer war aber der Aufschlag-Hattrick von Mark Dodds. Aber auch da hielt man sich beim SCC mit Lob vornehm zurück. Niroomand sagt: „So aufzuschlagen – das ist bei ihm doch Standard.“ Es scheint, als müsse Dodds noch mehr Spiele auf diese Art entscheiden, um beim SCC endlich gebührend Anerkennung zu finden.

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