Sport : Unbeliebter Neuer

Die Welt-Anti-Doping-Agentur wählt John Fahey zum neuen Präsidenten – vier Europäer enthalten sich

Herbert Fischer-Solms

Madrid - Irgendwie passte die Panne zu den chaotischen Tagen der Welt-Anti- Doping-Agentur (Wada) in Madrid. Obwohl die Öffentlichkeit bei der gestrigen Sitzung des Wada-Foundation-Boards ausgeschlossen war, bekamen die Pressevertreter jede einzelne Wortmeldung mit. Aufgrund eines technischen Malheurs wurde die Sitzung akustisch in den Pressearbeitsraum übertragen. So erlebten die Journalisten live die wichtigste Entscheidung des Nachmittags mit: Trotz des Widerstandes aus Europa ist der umstrittene Australier John Fahey zum neuen Präsidenten der Wada gewählt worden.

Der 62 Jahre alte Ex-Finanzminister tritt die Nachfolge von Richard Pound an, dessen achtjährige Amtszeit am 31. Dezember endet. Fahey hatte im Vorfeld seiner Wahl zugegeben, dass er sich bisher mit dem Anti-Doping-Kampf noch nicht eingehender beschäftigt hatte. Nun sagte er: „Wichtig ist nicht der neue Präsident der Wada, sondern der verabschiedete Welt- Anti-Doping-Code“, sagte Fahey. „Der Kampf gegen Doping ist ein Kampf, den wir gewinnen wollen.“ Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Wada wurde der Schwede Arne Ljungqvist bestimmt.

Bei der Wahl enthielten sich vier der fünf europäischen Vertreter aus Protest. Zuvor war ein Antrag der Europäer gescheitert, die Wahl um sechs Monate zu verschieben. „Es hat ein Verfahren gegeben, das wir nicht akzeptieren“, erklärte Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. „Dabei ging es nicht darum, einen Kandidaten aus Europa durchzusetzen, sondern eine Alternative vorzuzeigen.“ Der vor dem Meldeschluss am 20. September nominierte Franzose Jean- Francois Lamour hatte unerwartet im Oktober aufgegeben. Im letzten Moment hatte zwar der ehemalige französische Sportminister Guy Drut seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, doch damit sorgte er nur für zusätzliche Aufregung. Ein offizieller Kandidat war er aufgrund der abgelaufenen Frist nicht.

Die Möglichkeit der Vertagung hatte der amtierende Wada-Präsident Richard Pound vom Tisch gefegt. „Wir werden den Prozess nicht wieder eröffnen, das entscheide ich als Vorsitzender“, sagte er bei der denkwürdigen Sitzung. Auch das Begehren einer geheimen Wahl lehnte er entschieden ab. „Ich bin nicht der einzige, der das nicht für sachgerecht gehalten hat“, sagte Bergner.

Fahey hofft nun, dass die Fehde mit den Europäern, die 47,5 Prozent des Wada-Budgets zahlen, beendet wird. „Alle europäischen Vertreter sind nach der Wahl zu mir gekommen und haben den Willen zum Ausdruck gebracht, mit mir zusammenarbeiten zu wollen“, berichtete er.

Vor der an einem Eklat vorbeigeschrammten Präsidenten-Wahl wurde der neue Welt-Anti-Doping-Code verabschiedet. „Der Code ist streng, aber fair und sendet die Botschaft, dass wir den Kampf intensiver fortführen“, sagte Pound. Der Code sieht eine Höchsttrafe für Dopingsünder von vier Jahren Sperre vor; Kronzeugen können dagegen mit Milde rechnen. Herbert Fischer-Solms

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