Sport : Unbemerkt erfolgreich

Florian Mayer ist der beste deutsche Tennisprofi – in Hamburg kämpft er um Anerkennung

Petra Philippsen[Hamburg]
Rutschpartie. In Florian Mayers Karriere gab es schon einige Tiefen. Foto: dpa
Rutschpartie. In Florian Mayers Karriere gab es schon einige Tiefen. Foto: dpaFoto: dpa

Auf das Turnierplakat der German Open hat es Florian Mayer nur so halb geschafft. Lediglich auf den wenigen nachgedruckten Exemplaren wurde das Konterfei des 27 Jahre alten Bayreuthers noch neben jenes des Österreichers Jürgen Melzer an den Bildrand gezwängt. Doch obwohl Mayer derzeit die Nummer 20 der Welt und damit der beste deutsche Profi ist, hätte Turnierdirektor Michael Stich wohl auch mit ihm nicht wesentlich mehr Eintrittskarten verkauft. Und darin liegt schon das ganze Dilemma, in dem Mayer steckt: Der ruhige Hüne spielt die beste Saison seiner Karriere, aber wahrgenommen wird er nur als unscheinbar und langweilig. Die Sehnsucht der Deutschen nach einem zugkräftigen Helden vermag er nicht zu stillen.

Als der jüngst zurückgetretene Nicolas Kiefer zuletzt monierte, die deutschen Spieler seien zu blass und es fehlten die Typen, meinte er auch Mayer. „So etwas tut weh“, sagt der, „aber ich habe mich mittlerweile an diese Kritik gewöhnt.“ Er könne und wolle eben nichts vormachen, was er nicht ist. „Ich weiß, dass die Leute lieber einen sehen, der Show macht“, sagt Mayer, „aber ich werde mich nicht verbiegen.“ Schlimmer ist wohl, dass er als Spieler wahrgenommen wird, der in den entscheidenden Momenten versagt. So wie zuletzt im Davis Cup gegen Frankreich, als Mayer gegen Richard Gasquet nur vier Punkte vom Sieg entfernt war, dann, plötzlich von Krämpfen geplagt, noch unterlag. Mayer scheint das stets gerade dann zu passieren, wenn die Aufmerksamkeit besonders groß ist. Und dieser traurige Eindruck prägt sich bei den Zuschauern ein. „So wie zuletzt will ich nie wieder spielen“, sagt Mayer, „diese Niederlage hat mich viele Tage beschäftigt.“

So kam es auch, dass sein Konterfei erst nachträglich einmontiert werden konnte, denn lange war nicht klar, ob Mayer tatsächlich am Hamburger Rothenbaum antreten würde. Gemocht hatte er dieses Turnier ohnehin nie. Immer war etwas: Mal waren die Kinder auf der Tribüne zu laut, mal störte ihn das norddeutsche Wetter. Das alles ist lange her, doch auch da fühlte er sich missverstanden. Das geht ihm heute noch so. Wenn nun berichtet wird, er habe vor drei Jahren am „Burn-out-Syndrom“ gelitten, ist Mayer verärgert: „Ich war einfach mental müde, aber nicht in Behandlung, und ich habe auch nie an ein Karriere-Ende gedacht.“ Dass er sich Mitte 2008 eine halbjährige Auszeit vom Profidasein nahm, das nur noch Qual für ihn bedeutet hatte, war für ihn die richtige Entscheidung. Mayer fand den Spaß an seinem Beruf wieder, startete mit frischer Energie, und das stärker denn je. Dass er sich nach diesem Tief im bereits fortgeschrittenen Sportleralter erstmals unter die Top 20 gekämpft hat, verdient mehr Anerkennung, als Mayer dafür erfahren hat.

Umso wichtiger ist für ihn nun die Rückkehr zum Rothenbaum, der sich für Mayer im vergangenen Jahr unverhofft vom sandigen Albtraum zur Wohlfühloase wandelte. Mayer erreichte nicht nur als erster Deutscher seit Thomas Haas 1997 das Halbfinale, er wurde von den Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeiert. Der Beifall tat ihm gut.

Auch am Mittwochnachmittag klatschten die Hamburger wieder besonders eifrig für ihn. Sie schienen zu spüren, dass Mayer die Aufmunterung derzeit nötig hat. Doch er spielte eine gute Partie gegen den türkischen Qualifikanten Marsel Ilhan, den er mit 6:4 und 7:6 bezwang. Im Achtelfinale trifft er nun auf den Argentinier Juan Monaco. Ebenfalls im Achtelfinale stehen Cedrik-Marcel Stebe und Philipp Kohlschreiber. Der 20-jährige Stebe schlug den Russen Nikolai Dawidenko mit 6:3, 7:6 (7:5), Kohlschreiber profitierte bei 6:1, 3:2-Führung von der Aufgabe des Spaniers Albert Montañes.

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