Sport : Unbescheiden zum Erfolg

Hockeyspieler Weißenborn glaubt an den sechsten EM-Titel

Claudia Klatt

Für Tibor Weißenborn ist die Angelegenheit schon vorher klar. Dem deutschen Hockey-Nationalspieler fällt es nicht schwer, über die Vorzüge seiner Mannschaft gegenüber der der Spanier zu plaudern. „Wir haben den größeren Willen“, sagt Weißenborn. „Wir können ganz gut mit Rückständen umgehen und auch gut kontern.“ Deutschland gegen Spanien – das Spiel findet heute im Hockey-Stadion von Barcelona statt. Der Sieger ist Europameister. Für die deutsche Auswahl wäre es der dritte Titel in Folge.

Irgendwie ist es verständlich, dass sich Tibor Weißenborn geradezu unverschämt unbescheiden gibt. Der kleine, schnelle und technisch sehr starke Spieler vom Berliner HC hat bereits 1999 in seinen allerersten Einsätzen im Nationaltrikot Selbstbewusstsein demonstriert und wurde 2002 sogar zum Jugend-Welthockeyspieler des Jahres gewählt. Eine Anerkennung nicht nur seines Talents, sondern auch seiner Fähigkeiten und Präsenz auf dem Feld. „Tibor ist Perfektionist“, lobt Bundestrainer Bernhard Peters. Doch der Krefelder schätzt noch andere Qualitäten an Weißenborn, der mit 22 Jahren nicht einmal der Jüngste in der deutschen Mannschaft ist und mit über 160 Einsätzen bereits zu den erfahrenen Kräften im Team zählt: „Zwischen seinem Talent und der Leistung, die er bringt, liegt noch einmal sehr viel Arbeit“, sagt Peters. In Padua, bei der letzten Europameisterschaft 1999, hatte Weißenborn schon eine ähnlich selbstbewusste Rolle im Team wie jetzt in Barcelona. Deutschland wurde damals zum dritten Mal in Folge Europameister. Obwohl Weißenborn damals mit 18 Jahren einer der jüngsten Spieler im deutschen Team war, trat er im entscheidenden Siebenmeterschießen gegen Holland im Finale couragiert an – und traf.

In Barcelona schaltete Spanien die Holländer aus, vereitelte damit eine vierte Auflage des Nachbarduells im Finale. Die gegenüber Padua wenig veränderte deutsche Mannschaft geht als Favorit ins Endspiel. In der Vorrunde hatte das Team von Bundestrainer Peters die Spanier 3:2 besiegt. Deshalb ist Weißenborn jetzt auch nicht sonderlich aufgeregt. „Die Spanier werden hier im Stadion mächtig Stimmung machen”, sagt er. Doch diese hitzige Atmosphäre hat die deutsche Mannschaft bereits im Gruppenspiel erlebt. Weißenborn hat das nicht gestört. Im Gegenteil: „Es macht auch Spaß, wenn man das Publikum gegen sich hat, da kann man sich dran aufbauen. Es wird bestimmt ein schönes Spiel.” Wenn es nach Weißenborn geht, dann wird es für ihn und seine Kollegen nach dem Schlusspfiff noch schöner: Denn schließlich würde der sechste EM-Titel für Deutschland dann ja auch gebührend gefeiert.

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