Sport : Unbezwingbar gegen unschlagbar

Afrika-Cup: Kamerun fürchtet Ägypten nicht

Moses März[Accra]

Im Jahr 1988 war Joel Epalle noch ein kleiner Junge und verfolgte Afrikas größtes Fußballturnier im Radio. Damals lebte er mit seiner Familie in einem Dorf in Kamerun, unter einfachsten Bedingungen, als jüngstes von sieben Kindern, und fasste einen Entschluss: Er wollte wie Roger Milla werden und wie dieser eines Tages den Afrika-Cup für sein Land gewinnen.

Zwanzig Jahre später kann sich Joel Epalle diesen Kindheitstraum nun womöglich erfüllen. Der Mittelfeldspieler, der in der Bundesliga für den VfL Bochum spielt, steht mit seiner Nationalmannschaft, den „Indomitable Lions“, den unbezwingbaren Löwen, heute im Afrika-Cup-Finale (18 Uhr, live bei Eurosport). Dort trifft sein Team auf den Titelverteidiger und fünfmaligen Turniersieger Ägypten. Mit einem 4:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste zogen die Nordafrikaner ins Endspiel ein, während sich Kamerun durch einen 1:0-Erfolg gegen Gastgeber Ghana für das Endspiel qualifizierte. Im Spiel um Platz drei besiegte Ghana gestern die Elfenbeinküste, für die Bremens Boubacar Sanogo zweimal traf, 4:2 (1:2).

Das Turnier in Ghana ist Epalles Meinung nach das beste in der Geschichte des Afrika-Cups. In den vergangenen Jahren habe sich die Qualität stetig verbessert, sagt er. Bis zu acht afrikanische Nationen hätten heute das Potenzial, um den Titel zu kämpfen; früher wären es vielleicht nur zwei gewesen. „Stars wie Samuel Eto'o oder Drogba sind mit vielen Emotionen bei diesem Turnier dabei.“ Vom Vorschlag des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter, das Turnier im Sommer stattfinden zu lassen, also zeitgleich mit der Europameisterschaft, hält der 28-Jährige nichts. „Wir wollen nicht nur afrikanische Zuschauer, wir wollen die ganze Welt.“ Alle sollten sehen, wie gut afrikanischer Fußball inzwischen sei.

Seine eigene Mannschaft erholte sich in diesem Turnier nach der enttäuschenden 2:4-Niederlage gegen Ägypten in der Gruppenphase rasch. Sie gewann all ihre Spiele – im Viertelfinale musste sie gegen Tunesien allerdings in die Verlängerung und siegte dann 3:2. Zu diesen Erfolgen hat Otto Pfister, der deutsche Trainer der Kameruner, maßgeblich beigetragen. Nur einen Monat hatte er Zeit, um mit der Mannschaft zu arbeiten – und führte sie nach der Auftaktniederlage von Sieg zu Sieg. Für den 70-jährigen Otto Pfister ist es inzwischen das zehnte Mal, dass er Nationaltrainer einer afrikanischen Mannschaft ist. Aufgrund seiner Erfahrung genieße er großen Respekt unter den Spielern, sagt Epalle und lobt, wie Pfister junge und alte Spieler zusammengebracht habe. Grundsätzlich kann man Pfisters Arbeitsweise ungewöhnlich nennen: Er gewährt seinen Spielern viele Freiräume, glaubt an ihre Mündigkeit und ihr Können. Bei Trainingseinheiten hält er sich zurück, im persönlichen Umgang mit den Spielern verhält er sich freundschaftlich-vertraut. Die absolute Führungsposition von Samuel Eto'o in der Mannschaft erkennt er an und scheint es zu genießen, einem solchen Ausnahmefußballer beim Spiel zusehen zu dürfen. Dieser dankte ihm dieses Vertrauen mit bereits fünf Treffern in fünf Spielen. Neben Eto'o, der in Afrika als Fußball-Heiliger gilt und dreimal zum afrikanischen Spieler des Jahres gewählt wurde, hat Pfister auch in Abwehrchef Rigobert Song einen erfahrenen und hochklassigen Spieler.

Die Mannschaft, auf die Kamerun im Finale trifft, ist jedoch sehr gut organisiert und erfahren. „Wir haben die Physis und das Talent, sie haben die europäische Struktur und Organisation“, sagte Joel Epalle vor dem Endspiel in Accra über die Ägypter. „Ein zweites Mal können wir gegen sie allerdings nicht verlieren“, stellte Epalle klar, „dafür sind wir ein viel zu großes Team“.

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