Sport : Und alles in Farbe

Michael Rosentritt

glaubt trotz allem noch an den Titelgewinn Die Frage ist doch: Können wir in acht Monaten Weltmeister werden? Die Antwort lautet: Ja, können wir. Aber andere können es auch. Wo also ist das Problem? Und besser gefragt: Wer sieht seine Interessen in Gefahr, sollte Deutschland nicht Weltmeister werden?

Das Geld und die Aufmerksamkeit, die sich die deutsche Wirtschaft vom Megaereignis erhoffen, wird bis zum Turnierstart erzielt. Die üblichen Sponsoren kennt jetzt schon jeder, und die Infrastruktur steht auch. Oder glaubt jemand, das Berliner Olympiastadion wird wieder zurückgebaut, wenn am 9. Juli nicht die richtige Mannschaft das Finale gewinnt? Und wird Deutschland mit Titel leichter regierbar? Warum also die übertriebene Aufregung?

Zugegeben, das von Jürgen Klinsmann ausgegebene Ziel ist so eine Sache. Aber was hätte er auch sagen sollen als Bundestrainer eines Landes, dessen Elf fünfzehn Mal bei einer WM war, sieben Mal im Finale stand, drei Mal das Turnier gewann und jetzt auch noch Heimvorteil hat? Hätte er sagen sollen, wir wollen bei der WM die Vorrunde überstehen?

Deutschland kann in acht Monaten Weltmeister werden. Die Leistungen gegen die Türken und vor ein paar Wochen in der Slowakei waren nicht gut. Als Deutschland das letzte Mal WM-Gastgeber war, 1974, hat die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Saison drei Spiele verloren. Am Ende wurde sie Weltmeister. Übrigens: Das Farbfernsehen, das bei der Weltmeisterschaft 1974 seine Geburtsstunde hatte, wäre ohne den deutschen Titelgewinn bestimmt nicht wieder abgeschafft worden.

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