Sport : und der Koch richtet sich nach dem Spielstand

VANESSA LIERTZ

BERLIN . Egal, wer heute abend siegt im DFB-Pokalendspiel - einer wird auf jeden Fall Gewinne machen: Wolfgang Holst, der ehemalige Präsident von Hertha BSC und Inhaber der Fußball-Kultkneipe "Holst am Zoo". Ihm wird dieses Match zwischen dem FC Bayern München und Werder Bremen doppelt so viel Umsatz bescheren wie ge- wöhnliche Tage. "Das erleben wir sonst nur bei wichtigen Fußballspielen im Fernsehen oder während der Love Parade", sagt Holst. Bereits am Freitag sei die Kneipe mit den Fußball-Lampen und der stadionförmigen Theke "krachend voll". Und davon dürfte so mancher Gastwirt träumen: "Wir können nur jemanden reinlassen, wenn ein anderer geht."

Mit Wolfgang Holst freut sich eine ganze Branche über schöne Umsätze an diesem Wochenende. Darum hält Karl Weissenborn, der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes, das DFB-Pokalfinale für "eine kleine Konjunkturspritze" für sein Gewerbe: "Das Spiel bringt Kaufkraft in die Stadt." Denn die 75 841 Zuschauer, die heute abend das wie in jedem Jahr ausverkaufte Berliner Olympiastadion füllen sollen, werden an dem Wochenende viel Geld in der Stadt lassen.

Karl Weissenborn schätzt, daß heute abend rund 40 000 Zuschauer nicht aus Berlin kommen - davon dürften alleine 35 000 Werder- und Bayern-Fans sein, denn der DFB hat den beiden Klubs jeweils 17 500 Karten zugeteilt. Von diesen 40 000 Gästen wird jeder gut und gern 100 Mark für Getränke und Speisen ausgeben und damit die Kassen der Kneipen füllen. Das wären schon vier Millionen Mark, unabhängig davon, ob die Fans nun ihren Frust über eine Niederlage oder ihre Freude über einen Sieg im Bier ertränken.

Auf den Kaufkraft-Schub am Wochenende freut sich Cornelia Keulig vom Restaurant "Zur Nolle" an der Friedrichstraße. Schon jetzt hätten Fußball-Fans 200 der 400 Plätze an ihren Tischen belegt - die ersten Fans kehrten bereits mittags ein, die letzten gingen weit nach Mitternacht. "An dem Abend richtet sich der Koch nach der Verlängerung auf dem Spielfeld", sagt sie. Auch wegen des Spiels sind die meisten Hotels an diesem Wochenende zu 80 bis 90 Prozent belegt, wie Weissenborn vom Gaststättenverband sagt. Das Hotel Berlin und das Holiday Inn haben bereits seit einigen Tagen keine Betten mehr frei. Das Estrel an der Neuköllner Sonnenallee, mit seinen 1125 Betten das größte Hotel Berlins, ist nach eigenen Angaben allein wegen des Pokalendspiels fast ausgebucht.

Immer mehr hat es sich unter den Fußball-Freunden eingebürgert, das Wochenende für Berlin-Touren zu nutzen. Daher erwarten Stadtrundfahrt-Unternehmen wie Severin + Kühn ebenfalls volle Busse. "Es ist so viel los wie selten", sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens Axel Zahn.

Einige Fußballfans werden das Ende des Spiels freilich im Reisebus begießen, der sie am Sonnabend morgen nach Berlin gekarrt hat und abends schon wieder nach Bremen oder nach München fährt. Die deutsche Bahn hat für Sonnabend insgesamt drei Sonderzüge zur Verfügung gestellt - zwei für den Norden, einer für den Süden. Das freilich ist mickrig im Vergleich zu rund 60 Zügen, die Techno-Fans in diesem Jahr zur Love-Parade transportieren sollen. Und klein ist der Umsatz von vier Millionen DM im Vergleich zu den hundert Millionen oder gar Milliarden, die das Techno-Spektakel inzwischen nach Berlin trägt.

Dennoch, in einer Hinsicht kommen die Fußball-Fans der Stadt auf jeden Fall günstiger: Die Stadtreinigung muß wohl kaum Sondertouren durch die Straßen fahren.

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