Sport : Und die schöne blaue Donau färbt sich schwarz

Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech muss nach dem blamablen 1:3 in Österreich mehr denn je um seinen Job bangen

Wien - Die Fans wollten gar nicht mehr aufhören. Immer wieder riefen sie den Namen: „Karel Brückner, Karel Brückner“, hallte es nach dem Schlusspfiff durch das Wiener Ernst-Happel-Stadion. Der neue österreichische Nationaltrainer hatte sich derlei Huldigung verdient. Mit 3:1 siegte seine Mannschaft in der WM-Qualifikation gegen Vizeweltmeister Frankreich. Den ihm geltenden Sprechchören begegnete der Tscheche Brückner nachher mit trockenem Humor. „Ich habe es gehört, das war nur meine Familie“, sagte er schmunzelnd.

Der französischen Presse hingegen blieb nur der Spott über die eigene Elf und den ungeliebten Cheftrainer Raymond Domenech. „Die schöne blaue Donau färbte sich schwarz für die Bleus“, schrieb die Zeitung „Ouest-France“ am Tag danach. „Die Österreicher, angeblich mit quadratischen Füßen, haben die äußerst blassen Bleus ohne Schwierigkeiten genarrt“, führte das Blatt weiter aus. Sollten die bei der EM schon nach der Vorrunde gescheiterten Franzosen auch im zweiten Qualifikationsspiel nicht gewinnen, dürften Domenechs Tage als Übungsleiter gezählt sein. „Eine fehlende Reaktion am Mittwoch gegen Serbien würde Domenech nicht überleben“, kündigte die Sportzeitung „L’Équipe“ an.

Vor 48 000 Zuschauern in Wien hatten Marc Janko, Rene Aufhauser und Kapitän Andreas Ivanschitz per Foulelfmeter für lange nicht mehr erlebte Fußball-Festtagsstimmung in Österreich gesorgt. Der Gegentreffer durch Sidney Gouvou trübte die Freude nicht.

In Frankreich herrschte dagegen allgemeines Entsetzen. „Die Qualifikation der WM 2010 beginnt wie ein Albtraum“, schrieb „Le Figaro“, und die Zeitung „Libération“ befand: „Raymond Domenech muss sich Sorgen machen.“ Der Betroffene, der nach dem blamablen EM-Scheitern nach langen Diskussionen überraschend weitermachen durfte, fand nur notdürftige Erklärungen: „So wie jede Niederlage tut auch diese weh.“ Nie zuvor stand der 56 Jahre alte Domenech so unter Druck wie jetzt. Sollte sich der Negativtrend fortsetzen, bliebe Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes nichts anderes übrig als der Rauswurf Domenechs.

„Es sind noch viele Schlachten zu schlagen. In unserer Gruppe wird es einen Kampf bis zum Ende geben“, sagte der Coach trotzig. Bisher haben sich die Franzosen noch nie für eine WM qualifiziert, wenn das erste Qualifikationsspiel verloren ging - weder 1970 (0:1 gegen Norwegen) noch 1994 (0:2 gegen Bulgarien). Auf die Frage, ob es am Mittwoch im Stade de France um Domenechs Kopf gehe, antwortete Verbandschef Escalettes eher ausweichend: „Wir befinden uns nicht mehr in der Epoche der Guillotine.“

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