Sport : Und eine Stimme sprach...

Norbert Thomma

rät Zidane, sich zum Übersinnlichen zu bekennen Sehr geehrter Monsieur Zidane, Sie sind der Weltfußballer der Jahre 1998, 2000 und 2003, Sie, Zinedine Zidane, sind Europameister und Weltmeister mit Frankreich geworden, Sie sind ein somnambuler Tänzer am Ball, für Ihre Gegenspieler ein Schemen, der nicht zu fassen ist, ein geschwind enteilender Spuk für jedes noch so gestreckte Bein, ein Außerirdischer, auf der Erde gelandet, um die Fußballfreunde mit artistischem Schabernack zu beglücken, Monsieur Zidane, Dank dafür, Merci!

Sie hatten sich zurückgezogen von der „Equipe Tricolore“, enttäuscht durch die Misserfolge der jüngsten Jahre, was verständlich ist und traurig für jeden Bewunderer der Kunst. Aus und vorbei!, riefen Sie und wollten nur noch bei Real Madrid ... – doch da! Eine Stimme sprach nächtens um drei Uhr zu Ihnen: „Gehe zurück zu deinen Ursprüngen. Streife ein blaues Trikot über. Führe Frankreich zur WM 2006.“ Es war eine tiefe, biblische Kraft in diesen Worten, und Ihre Antwort war: „Ja.“

Monsieur, kennen Sie diesen Witz, der auf psychiatrischen Kongressen gerne erzählt wird? – Patient: Herr Doktor, ich höre immer Stimmen, sehe aber niemanden. – Doktor: Wann passiert das denn? – Patient: Wenn ich telefoniere.

So reden Knalltüten, Monsieur. Ignorieren Sie das, bitte! Warum sagen Sie jetzt, es sei die Stimme Ihres Bruders gewesen, die Sie gehört hätten? Bleiben Sie bei der Wahrheit, Zizou (wie Ihre Freunde Sie nennen). Sie sind auserwählt gewesen, die Offenbarung zu empfangen, Sie sind ein Prophet. Nur das Unerklärliche gibt dem Menschlichen Sinn.

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