Sport : Und es gibt sie doch

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Sven Goldmann sucht und findet die eigenen Gesetze des Pokals

Andreas Möller hat die Rote Karte gesehen. Das war am Samstagabend, im Münchner Stadion an der Grünwalder Straße, und wir dachten schon, dieser Platzverweis für den Schalker Möller wäre die einzige Überraschung dieser ersten Hauptrunde im DFB-Pokal. Wenn es schon keine sportlichen Sensationen gibt, keinen Profiklub bei einem Amateurverein scheitert, dann tut es zur Not auch die Tätlichkeit eines Spielers, der in seiner langen Profi-Karriere für so ziemlich alles bekannt war, nur nicht für überharten körperlichen Einsatz. Kommt ja nicht von ungefähr, der Spitz Heintje.

Das war der Stand der Dinge am Sonntagnachmittag, so kurz nach fünf, und wir waren schon ein wenig traurig, dass die Agenturen nichts lieferten über die eigenen Gesetze, die der Pokal im Sportsprech seit… seit…, na ja, eigentlich schon immer hat.

Dann kam Hertha BSC. Das Elfmeterschießen von Kiel. Drei Anläufe, drei Schüsse von der gar nicht mal so aussichtslosen Elfmetermarke, drei Fehlschüsse. Roberto Pinto, Andreas Schmidt und Michael Hartmann hießen die drei Berliner Unglücksraben, wobei wir bei der Verurteilung des Herrn Schmidt mildernde Umstände walten lassen wollen, weil er erstens als Verteidiger normalerweise fürs Toreverhindern zuständig ist und zweitens immerhin die Latte traf.

Nun wäre es sicherlich ungerecht, die Schuld am Debakel zu Kiel ausschließlich den drei Fehlschützen anzulasten. Allesamt zählen sie nicht zu denen, deren Kontoauszüge am Ende des Jahres sieben Stellen vor dem Komma aufweisen, und man wird schon mal fragen dürfen, wo denn in diesem entscheidenden Augenblick die anderen waren, die so genannten Stars. Hmm, das ist nicht so ohne weiteres zu beantworten. Kapitän Preetz und Spielmacher Marcelinho sind entschuldigt, weil sie als Schützen Nummer vier und fünf eingeplant waren. Torjäger Luizao stand mangels Anwesenheit (lies: Auswechslung) nicht mehr zur Verfügung, Nationalspieler Rehmer ließ sich die blutende Augenbrauenwunde verarzten, und sonst, ja sonst standen nicht mehr so viele von den Profis auf dem Platz, mit denen Hertha sich in dieser Saison für die Champions League qualifizieren will.

Was wir daraus lernen? Durchaus Gegensätzliches, was die eigenen Gesetze des Pokals betrifft. Zum einen, dass es wohl doch keine gibt, sonst hätten die Agenturen das gemeldet (haben sie aber nicht). Zum anderen, dass es sehr wohl welche gibt, wenn wir mal der Meinung von Huub Stevens vorgreifen dürfen. Im Pokal bei einem Drittligisten zu verlieren, das wird im Gesetzbuch von Herthas strengem Trainer mit viel Laufen geahndet. Mit sehr viel Laufen.

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