Sport : Und ewig grüßt der Regen Wimbledon: Kiefers Match wieder vertagt

Wie geduldig die britische Seele ist, lässt sich dieser Tage im All England Lawn and Tennis Club beobachten. Vor jedem Eingang, jedem Stand und jedem Shop in Wimbledon bilden die Besucher diszipliniert eine Schlange. Da wird nicht gedrängelt, gemurrt schon gar nicht. Man nimmt die Dinge eben, wie sie sind. Das ist auch beim Wetter nicht anders, sei es noch so schlecht. Doch auch jene, die mit der Gabe der Geduld gesegnet sind, werden in Wimbledon inzwischen auf die Probe gestellt: In acht Tagen gab es erst einen Tag ohne Regen. Die meteorologischen Kapriolen beim traditionsreichen Tennisturnier müssen die Spieler ausbaden: Am Härtesten hat es dabei wohl Nicolas Kiefer getroffen, der als letzter im Turnier verbliebener deutscher Profi seit Samstag versucht, sein Drittrunden-Match gegen den Serben Novak Djokovic zu bestreiten.

Am Samstag begann der Warte-Marathon, der für den Hannoveraner auch am Dienstag nicht beendet sein sollte. Heftiges Schauerwetter verhinderte mehr als eine Stunde Spielbetrieb, Kiefer musste wie viele andere seit dem Vormittag im Spielerbereich ausharren. Um 18 Uhr wurde sein Match dann abgesagt, Kiefer konnte die Heimfahrt ins Hotel nach Chelsea antreten. Am nächsten Tag hätte er sein Match bei sonnigem Wetter bestreiten können, doch der so genannte „Middle Sunday“ ist traditionell spielfrei und am freien Sonntag wurde nicht gerüttelt. Dass die Veranstalter mit dieser starren Tradition einen Fehler begangen haben könnten, wurde spätestens am Montag deutlich, denn jetzt hängt man dem Spielplan deutlich hinterher.

Immer wieder Regenschauer, für die Spieler hieß es zum Start der zweiten Woche: auf den Platz, einschlagen, ein paar Punkte spielen, wieder runter vom Platz. Die Ballkinder, die für das Ausrollen der Planen zuständig sind, bekamen mehr Bewegung als so mancher Athlet. Um 16.13 Uhr Ortszeit durfte Kiefer dann am Montag erstmals den Court Nummer 2 betreten. Beim Stand von 6:7 und 2:2 war allerdings Schluss. Wieder Regen, wieder zurück in die Umkleidekabine. Um 19.43 Uhr dann der nächste Versuch, bis zum 5:6 und 40:30 im zweiten Satz sollte es dauern, bis heftiger Platzregen die Fortsetzung unmöglich machte.

Ständige Schauer sollten die Nerven der Beteiligten auch am Dienstag weiter strapazieren: Um 16.45 Uhr konnte sich Kiefer zumindest mit einem 8:6 im Tiebreak in den 1:1-Satzausgleich retten, bevor nach 20 Minuten sintflutartige Regenfälle den kompletten Turniertag beendeten. Während Roger Federer nach der Aufgabe von Thomas Haas seit Sonntag entspannt auf sein Viertelfinale wartet, geht für Kiefer die Odyssee heute weiter. Ob sie dann ein Ende nimmt, ist ungewiss.

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