Sport : …und in Melbourne holt sie den Serena Slam

Serena Williams gewinnt das Familienduell im Finale der US Open

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New York (dpa). Serena Williams hatte ein pinkfarbenes Jäckchen über ihren schwarzen Einteiler gestreift. Vorsichtig wiegte die US-Open-Siegerin mit den blond gefärbten Haaren zum zweiten Mal nach 1999 die silberne Trophäe im Arm. Doch so richtig freuen mochte sie sich über ihren mit 900 000 Dollar versüßten dritten Grand- Slam-Titel in Serie nicht. Der Grund war Venus. Die entthronte Titelverteidigerin stand hinter ihr und kämpfte mit den Tränen. „Wir gehen heute beide als Sieger heim“, sagte Serena. „Ich bin so stolz auf sie. Sie hat es verdient“, gab die ältere der beiden Tennisschwestern nach ihrer 4:6, 3:6-Niederlage zurück.

Weil zwei der fünf Töchter von Richard und Oracene Williams so gut Tennis spielen wie derzeit keine andere Frau in der Welt, sind sie auch permanent dabei, sich wehzutun. Zum vierten Mal standen sich Serena und Venus in den letzten zwölf Monaten in einem Grand-Slam- Finale gegenüber. In diesem Jahr hat nur Serena gewonnen und damit geschafft, was zuletzt 1997 Martina Hingis aus der Schweiz glückte – drei Grand-Slam-Titel in einem Kalenderjahr zu gewinnen.

Immer wieder werden die Williams-Schwestern gefragt, was sie bewegt, sich Bälle mit 160 km/h um die Ohren zu hauen. Das sind Aufschlaggeschwindigkeiten, die vielen Herren zur Ehre gereichen würden. „Wenn ich rausgehe und gegen sie spielen muss, ist sie eine Gegnerin, was sonst“, antwortete Venus Williams, die als die Denkerin der beiden jungen Frauen gilt. Die Sport-Psychologin Pat Bramwell aus Staten Island hat einen anderen Aspekt an dieser grausam-schönen Rivalität entdeckt: „Es ist wie ein Tanz, und es geht nur um Schönheit und Freude. Und ich glaube, sie wissen das. “

Die Crux ist, dass mit dem Power-Tennis der Amerikanerinnen kaum eine andere Spielerin mehr mithalten kann. Wer ein Turnier gewinnen will, in dem beide Williams am Start sind, der muss auch beide schlagen, weil sie auf Grund ihrer Spitzenpositionen in der Weltrangliste in jeweils einer Hälfte der Setzliste auftauchen. Je vier Grand-Slam-Titel konnten beide inzwischen gewinnen. Schon werden aber auch Stimmen laut, die beklagen, dass die Dominanz der Williams- Schwestern auf die Dauer die Konkurrenz lähme. Serena, die jüngere, die frechere, die auf lange Sicht wohl auch stärkere der beiden Schwestern kümmert sich nicht um die Grantler. Nach Paris, Wimbledon und New York will sie im neuen Jahr gleich Melbourne gewinnen. Für den Grand Slam wäre es nötig alle vier großen Turniere im selben Kalenderjahr zu gewinnen, aber das ist Serena Williams egal: „Wenn ich im nächsten Januar in Melbourne gewinne, dann ist das ein Serena Slam.“

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