Sport : Und Jeremies hat doch Recht (Kommentar)

Sebastian Arlt

Als "jämmerlich" hat Jens Jeremies den Zustand der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bezeichnet. Wann in den vergangenen Jahren habe die DFB-Elf einmal ein begeisterndes Spiel hingelegt, hat der Nationalspieler vom FC Bayern München rhetorisch gefragt. Die Mannschaftsteile und die einzelnen Spieler passten nicht zusammen, hat Jeremies in einem "Kicker"-Interview bemängelt. Endlich hat sich mal einer getraut und Teamchef Erich Ribbeck gnadenlos den Spiegel vorgehalten.

So weit, so gut, weil Jeremies Recht hat. Oder so schlecht. Der mündige Profi Jeremies hat das ausgesprochen, was fast alle denken. Zumindest den Millionen Amateur-Teamchefs, die sich jedes Mal vor dem Fernseher über das ärgern, was die Nationalmannschaft bietet, hat er aus der Seele gesprochen. Und vielleicht auch manchem Mitspieler. Und nun? Was erwartet Jeremies als Reaktion? Soll jetzt der oft zitierte Ruck durch Spieler und Ribbeck gehen, damit bei der EM doch noch alles gut wird? Oder provoziert einer seinen Rauswurf, der einfach keine Lust mehr hat, in diesem Chaosverein mit dem Adler auf dem Trikot zu spielen? Gerade vor ein paar Tagen, allerdings in Abwesenheit des unter muskulären Problemen leidenden Jeremies, waren am Rande des Länderspiels in Zagreb Ribbeck und die Mannschaft übereingekommen: keine Interna mehr nach außen, Kritik nur intern.

Spätestens seit der Maulwurf-Affäre steckt die Nationalmannschaft in einer Vertrauenskrise, nun hat Jeremies das bisschen Autorität untergraben, das der angeschlagene Ribbeck noch hatte. Der kann eigentlich nur reagieren, indem er Jens Jeremies, normalerweise kein Mann großer Worte, aus dem Team schmeißt. Sonst tanzen ihm die anderen Nationalspieler auch noch auf der Nase herum. Doch zur Ruhe wird Erich Ribbeck so oder so nicht mehr kommen, weil Jeremies eben Recht hat.

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