Sport : Und jetzt der Denksport

Friedhard Teuffel

Der Sport ist jetzt eine Einheit in Deutschland, der olympische Spitzensport und der Sport für alle machen gemeinsame Sache in einem Verband. Der DOSB ist allerdings nicht nur die Zusammenführung von zwei Organisationen. Er ist ein neuer Verband. Für ihn bedeutet das vor allem die Chance, ganz neu zu bestimmen, wie Sport in dieser Gesellschaft aussehen soll.

Davon ist allerdings bislang noch keine Rede. Nachdem sich die Spitzenverbände und Landessportbünde zunächst wochenlang über die Mehrheitsverhältnisse im DOSB gestritten hatten, beschäftigten sie sich anschließend mit dem Führungspersonal. Inhalte spielten keine Rolle.

An einer Grundsatzdebatte kommt der DOSB jedoch nicht vorbei. Denn Sport ist nicht mehr das, was er einmal war. Das fängt an der Basis an und setzt sich fort bis an die Spitze. Eine Sportbiografie sieht heute anders aus als noch vor wenigen Jahren. Kinder treten nicht mehr in einen Verein ein, weil ihre Eltern dort schon aktiv waren und bleiben dort ein Leben lang Mitglied. Eine Sportbiografie hat viele Brüche. Darin liegt eine Herausforderung für den neuen Verband.

Den Wandel des Sports kann der neue Verband am besten bewältigen, indem er den Wandel der Vereine unterstützt. Sie sind schließlich die wichtigste Sporteinheit des Landes. Vereine und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter klagen über hohe bürokratische Hürden, schlechte Sportstätten und Schwierigkeiten bei der Mitgliedergewinnung. Der neue Verband muss ihnen dabei helfen, mit Schulen zu kooperieren, um Nachwuchs zu finden und qualifizierte Übungsleiter, um ihre Senioren zu betreuen. Denn auf einmal wollen viele ältere Menschen Sport treiben, die in ihrem Leben noch nie Mitglied in einem Sportverein waren. Ein gutes Zeichen ist daher, dass der Vizepräsident für Breitensport im DOSB auch für Sportentwicklung zuständig ist. Sportentwicklung ist das richtige Schlagwort für den Anpassungsprozess der Vereine in einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft mit großen sozialen Aufgaben.

Der neue Verband sollte auch wieder mehr politische Ambitionen haben, denn Sport hängt von den Rahmenbedingungen ab – von Sportstätten und Steuergesetzen. Er muss Interessenvertretung für den Sport in der Gesundheitspolitik sein, so kann er auf seine Stärken hinweisen im Kampf gegen das Übergewicht von Kindern und Jugendlichen.

Im Hochleistungssport sollte der wichtigste Grundsatz des DOSB sein: Nur eine saubere Leistung ist eine sportliche Leistung. Die deutschen Sportverbände haben aber zu oft auf andere Nationen gezeigt, ohne die eigene Dopingvergangenheit und -gegenwart zu berücksichtigen. Die Zahl der Dopingproben reicht auch in Deutschland nicht für die gesicherte Annahme, dass die meisten Athleten nicht manipulieren.

Es bleibt die Gefahr, dass die Zweifel überdeckt werden vom Erfolg mit seinem schönen Schein, zumal die Hauptmotivation der Funktionäre für die Sportfusion das unbefriedigende Abschneiden bei Olympia 2004 in Athen war. Doch Medaillen sollten nicht zum einzigen Maßstab für den neuen Sportverband werden.

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