Sport : Und lässig fläzt sich der Pharao

Der umstrittene Hassan Moustafa darf weiter den Welthandball regieren

Erik Eggers[Kairo]
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In schlechten Händen. Hassan Moustafa bleibt der mächtigste Mann im Handball. Foto: dpa

Die Gemüter hatten sich beruhigt im Saal „Tutenchamun“ des Marriott-Hotels in Kairo. Der Kongress der Internationalen Handball-Föderation (IHF) handelte mit bürokratischer Kälte die letzten unspektakulären Anträge ab, etwa die Vergabe des nächsten Kongresses 2011 (nach Marrakesch) oder die Vergabe der Jugend-WM 2011 (an Argentinien). Die neue Füh- rungscrew verfolgte das Ganze recht emotionslos, der wiedergewählte IHF- Präsident Hassan Moustafa fläzte sich lässig auf dem Podium.

Welch ein Unterschied zu den Tumulten tags zuvor. Da hatte der „Pharao“, wie der Ägypter wegen seines selbstherrlichen Führungsstils genannt wird, den Schweizer Generalsekretär Peter Mühlematter gedemütigt. Er sei ein Betrüger, habe die vielen negativen Berichte in der internationalen Presse lanciert und so dem Welthandball geschadet, hatte Moustafa seinem Kontrahenten vorgeworfen. Mühlematter verteidigte sich, lediglich Fragen des Internationalen Olympischen Komitees beantwortet zu haben, er sei keineswegs Quelle der Indiskretionen. Doch Moustafas Kampagne, die in heftigen Auseinandersetzungen auf dem Podium gipfelte, verfehlte ihre Wirkung nicht: Während Mühlematter seinen Posten gegen einen vorher nahezu unbekannten französischen Kandidaten verlor, ließ sich Moustafa für seinen haushohen Sieg (115:25 Stimmen) im Duell gegen den luxemburgischen Herausforderer Jean Kaiser feiern.

Danach breitete der Ägypter die Arme aus. „Jean ist mein Freund, ich möchte mit ihm zusammenarbeiten und den Handball in den nächsten vier Jahren weiterentwickeln“, sagte der 64-Jährige. Ein Angebot, das Kaiser sicher ausschlagen wird. „Die IHF bekommt den Präsidenten, den sie verdient“, ätzte der Luxemburger. Wieder einmal hat Moustafa seinen Machtinstinkt nachgewiesen: Lange vor der Wahl hatte er sich mit allerlei Versprechen die Stimmen Afrikas, Amerikas, Asiens und teils auch Europas gesichert. Auch die sieben neuen Verbände (Tadschikistan, Peru, Bolivien, St. Kitts & Nevis, Singapur, Indonesien, Malawi), welche die Mitgliederzahl der IHF auf 167 Nationen erhöhten, haben Moustafas Machtbasis nicht geschmälert.

„Die größte Katastrophe ist immerhin verhindert worden“, lautete der Kommentar des deutschen Liga-Präsidenten Reiner Witte. Gemeint war die Wahl des IHF- Schiedsrichterchefs, bei der der Iraner Dawud Tawakoli dem Offenburger Manfred Prause nur knapp mit 65:71 Stimmen unterlegen war. Tawakoli besitzt einen sagenhaft schlechten Ruf: Er gehört als Chef der Schiedsrichterkommission des Asiatischen Handballverbandes zu jenen Figuren, die für zahlreiche Schiedsrichterskandale verantwortlich sind.

Solange sich die Stimmengewichte nicht ändern, wonach Ghana (keine Handballer) genauso eine Stimme besitzt wie der Deutsche Handballbund als mitgliederstärkster Verband (840 000 Handballer), dürfte alles beim Alten bleiben. Beim Außerordentlichen Kongress in Basel, der wichtige Statutenänderungen vornehmen soll, wollen die deutschen Funktionäre etwas ändern: „Wir werden einen Antrag einbringen, wonach die Zahl der Handballmannschaften die Stimmengewichte bestimmen soll“, erklärte Witte.

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