Sport : Und sie können doch verlieren

Hertha BSC blamiert sich im DFB-Pokal und kassiert beim 1:2 in Koblenz die erste Saisonniederlage

Jörg Runde[Koblenz]
Weg mit euch! Herthas Raffael musste in der 80. Minute nach einem groben Foul den Platz verlassen und ließ seinen Ärger an den mitgebrachten Getränken aus. Foto: Fishing4 Foto: Fishing4
Weg mit euch! Herthas Raffael musste in der 80. Minute nach einem groben Foul den Platz verlassen und ließ seinen Ärger an den...Foto: Fishing4

Der Frust musste einfach raus. Und da gerade nichts Passenderes als ein paar Flaschen im Weg standen, entlud sich die Enttäuschung Raffaels eben an denen. Mit einem beherzten Tritt beförderte Herthas Mittelfeldspieler die Pullen samt Inhalt in die Luft. Kurz zuvor war er mit Rot vom Platz geflogen – und das Spiel von Hertha BSC im DFB-Pokal bei der TuS Koblenz schien zu diesem Zeitpunkt längst entschieden. Nachdem Raffael in der 80. Minute wütend vom Feld getrabt war, schoss seine Mannschaft zwar noch ein Tor, doch es reichte nicht mehr. Hertha hat sich durch eine 1:2 (0:0)-Niederlage in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei einem Drittligisten blamiert. Für den Spitzenreiter der Zweiten Liga war es die erste Saisonniederlage überhaupt. „Heute sind einige Dinge schief gelaufen. Wir waren zu keiner Zeit auf der Höhe und haben nicht genug investiert“, sagte Trainer Markus Babbel.

Babbel musste im Vergleich zum Zweitliga-Spitzenspiel gegen Greuther Fürth zweimal umstellen. Offensivspieler Nikita Rukavytsya (Muskelfaserriss) wurde von Nico Schulz ersetzt, für Kapitän Andre Mijatovic (Fraktur des Wadenbeinköpfchens sowie Außenbandanriss am rechten Bein) rückte Sebastian Neumann in die Innenverteidigung. Dass sich Hertha trotz aller Verletzungssorgen so schwer tat, kam nicht nur für die 400 mitgereisten Berliner Fans überraschend. Kein einziger Berliner Profi erreichte am Dienstagabend Normalform. Vor 7015 Zuschauern im Stadion Oberwerth spielte nur eine Mannschaft: TuS Koblenz.

Schon nach sechs Minuten musste Herthas Torhüter Marco Sejna gegen einen 20-Meter-Schuss des Koblenzer Angreifers Johannes Rahn retten. Sieben Minuten später scheiterte erneut Rahn mit einem Distanzschuss an Sejna. Rahn gegen Sejna: Auch in der 30. Minute musste der Torwart sich strecken, um einen Schuss des Drittliga-Profis zu parieren. Von Hertha war in der Offensive hingegen fast nichts zu sehen. Einmal verhinderte Raffael in aussichtsreicher Position mit einem schlampigen Zuspiel auf Adrian Ramos eine Großchance. Und dann ballerte Waleri Domowtschiski freistehend aus 13 Metern über das Tor des Koblenzer Keepers Dieter Paucken. Viel mehr lief bei den Berlinern nicht zusammen.

Auch nach dem Wechsel prägten Ungenauigkeiten und Fehler Herthas Spiel. Richtig gefährlich wurde es nur einmal: Rob Friend verlängerte eine feine Freistoßflanke von Raffael geschickt, Torwart Paucken parierte glänzend. Zwar kontrollierte Hertha das Spiel nun, Chancen ergaben sich allerdings keine. Dafür kamen die Gastgeber völlig überraschend zu einer Chance, die eigentlich gar keine war.

Nach einer weiteren Unzulänglichkeit im Aufbau passte Nico Schulz den Ball allzu schlampig auf Lewan Kobiaschwili, dessen notdürftige Weiterleitung auf Ramos bei Johannes Rahn landete. Eigentlich wollte Rahn nur mit einem Befreiungsschlag klären, doch der Ball segelte aus etwa 60 Metern im hohen Bogen über Sejna hinweg ins Netz. „Ein Tor aus so einer großen Distanz kassiert man nicht alle Tage“, sagte Herthas Trainer Markus Babbel.

Die Berliner waren perplex und kassierten prompt das 0:2. Domowtschiski hatte Thomas Gentner im Strafraum zu Fall gebracht. Und Mittelstürmer Marcus Steegmann verwandelte den fälligen Elfmeter mit einem frechen Schuss unter die Latte. Dass Adrian Ramos den Ball kurz vor Schluss noch hinter die Linie stocherte, brachte nichts mehr – außer der Erkenntnis, dass Serien im Fußball endlich sind. „Ich wusste nach unserer Siegesserie ja gar nicht mehr, was ich den Jungs sagen soll“, erzählte Babbel. „Jetzt habe ich wieder Ansatzpunkte. Ich hoffe, es war ein Weckruf zur rechten Zeit.“

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