Sport : Und tschüss

Galopper Dai Jin gilt als Favorit beim Deutschen Derby

Ingo Wolff

Hamburg. Werner Heinz mag den Erfolg, auch wenn andere dafür schwitzen müssen. Der Mann aus Trier ist Sportmanager und verwandelt den sportlichen Erfolg seiner Klienten häufig auch in einen finanziellen. In dieser Funktion hat er es weit gebracht. Klienten des blonden Agenten mit der hohen Stirn sind Sven Hannawald oder Nick Heidfeld. Doch nicht nur Skispringer und Formel-1-Piloten betreut Werner Heinz, auch Supermodell Nadja Auermann gehört zu seinen Klientinnen. Richtig berühmt geworden ist Heinz allerdings durch den Aufstieg von Henry Maske. Der Box-Weltmeister verdankt einen Teil seines Ruhmes dem Manager, der sich gerne mit Sonnenbrille getarnt im Hintergrund aufhält.

In diesem Outfit sieht man Heinz seit einigen Jahren auch auf den Tribünen deutscher Galopprennbahnen. Er betreut allerdings nicht Jockeys, er betreut Pferde. Ihm gehören sogar welche. Sein letzter und bisher größter Coup gelang ihm mit Dai Jin. Der dreijährige Hengst gewann vor drei Wochen das Oppenheim-Union-Rennen in Köln. Und weil das die bedeutendste Prüfung vor dem 134. Deutschen Derby ist, gilt Dai Jin heute auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn (17.10 Uhr, live auf n-tv) als Favorit. Sein größter Konkurrent beim wichtigsten deutschen Galopprennen kommt ausgerechnet aus dem Stall seines Trainers. Storm Trooper wird genauso wie Dai Jin von Deutschlands bestem Coach Andreas Schütz trainiert. Der Kölner Trainer hat zudem mit Cherub, Akihito und Next Gina noch drei weitere Starter im Feld der zwanzig besten dreijährigen Pferde des Landes. Und weil Schütz schon im vergangenen Jahr sowie in der Saison 2000 die drei Erstplatzierten des Derbys stellen konnte, schauen alle auf seine Pferde. Deshalb überlässt Schütz nichts dem Zufall und hat für seine Pferde Topjockeys ausgesucht.

Dabei gab es allerdings ein Problem. Denn Werner Heinz, der gern auf die Besten der jeweiligen Branche setzt, hätte am liebsten auf Andrasch Starke gebaut. Der erfolgreichste deutsche Jockey der vergangenen Jahre hatte mit Dai Jin das Dortmunder Auktionsrennen 2002 gewonnen. Doch vor dem Union-Rennen in Köln entschied sich Starke kurzfristig für Darlan, weil er ihn für stärker hielt. Doch Dai Jin gewann und landete vor Darlan und dem damals favorisierten Storm Trooper. Nach dem Rennen sagte Heinz dann sichtbar erbost, dass Starke sein Pferd nie mehr reiten dürfe. „Auch nicht im Derby.“

Deshalb hat Schütz für Dai Jin nun Olivier Peslier verpflichtet. Der französische Topjockey soll dem Sportvermarkter nun das große Geld bringen. Denn das Deutsche Derby ist so hoch dotiert wie noch nie: 912 200 Euro. Sollte sein Pferd gewinnen, könnte Heinz 240 000 Euro einstreichen. Das wäre eine gute Rendite, denn ersteigert hat er das Pferd als Jährling auf der Auktion in Iffezheim für nur 95 000 Euro. Und schon jetzt hat Dai Jin 159.400 Euro verdient. Doch noch steht Dai Jin das größte Rennen seines Lebens bevor, und mit New South Wales hat er sogar noch einen Konkurrenten, der nicht aus dem Schütz-Stall stammt. Der Hengst gehört dem Stall Godolphin der Scheich-Familie von Dubai und wird von keinem geringeren geritten als dem besten Jockey der Welt: Frankie Dettori.

Vielleicht sollte Jockey Peslier ja nur den Namen von Dai Jin wörtlich nehmen. Der heißt ins Deutsche übersetzt nämlich soviel wie: „Und tschüss“.

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