Sport : Und was ist mit den anderen?

Lars Spannagel

Klaus Brüning wird in Berlin nie wieder ein Fußballspiel pfeifen. Das ist gut so. Einem Schiedsrichter, der weghört und wegsieht, wenn Spieler beleidigt und bedroht werden, muss man seine Pfeife wegnehmen. Uneingeschränkt freuen kann man sich über das gestern bekannt gegebene Urteil des Sportgerichts im Fall Makkabi aber nicht. Mit Brüning hat es den Schwächsten in diesem Fall am härtesten getroffen.

Dabei ist er nicht der Einzige, der sich am 26. September und danach falsch verhalten hat. Auch die Verantwortlichen der VSG Altglienicke versuchen immer noch, sich – so weit es irgendwie geht – auszuschweigen. Sie haben nicht verstanden, dass niemandem etwas daran liegt, ihren Verein zu diffamieren oder finanziell zu ruinieren. Es geht vielmehr darum, Antisemitismus und Gewalt von Berlins Fußballplätzen zu verbannen.

Deswegen wäre es auch wenig hilfreich, hohe Geldstrafen gegen den Verein zu verhängen. Viel wichtiger wäre ein Zeichen von Altglienicke selbst: Klare Aussagen und eine Entschuldigung bei Makkabi. Solange geschwiegen, gemauschelt und dementiert wird, gibt es keine gemeinsame Front gegen rechts. Jedes Weggucken, jedes Schweigen unterstützt die Falschen. Das ist das Problem: Aus Angst vor Strafen wird lieber vertuscht, als offen um Hilfe gebeten.

Bloß weil ein Schiedsrichter eine Pfeife hat, ist er nicht der Einzige, der Alarm schlagen kann. Auch Zuschauer, Spieler und Betreuer sind in der Verantwortung. Erst wenn das bei allen Beteiligten angekommen ist, hat das Urteil auch etwas bewirkt.

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