Sport : Und wieder gehen die Spiele weiter

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Markus Hesselmann über das Finale und den Mord an Pim Fortuyn

Die Spiele müssen weitergehen. Im Sport sind Entscheidungen fast immer in diesem Sinne getroffen worden. Das war schon bei den Olympischen Spielen 1972 so, nachdem palästinensische Terroristen israelische Athleten entführt und ermordet hatten. Und das war am 11. September so, als die Europäische Fußball-Union Uefa darauf bestand, die Spiele in der Champions League am selben Tag stattfinden zu lassen.

Doch das, was dann an jenem Abend in europäischen Stadien passierte, und das, was da morgen im Stadion von Rotterdam passieren wird, hat mit Spielen nichts mehr zu tun. Ein Spiel setzt Freude an der Sache und Konzentration voraus. Noch am Nachmittag hatten Trainer und Manager von Feyenoord Rotterdam gestern gesagt, dass ihnen genau das nach dem Mord an Pim Fortuyn vergangen sei. An Fußball sei jetzt gar nicht zu denken. Schließlich hatte Fortuyn dem Verein als Fan und Bürger der Stadt Rotterdam nahe gestanden. Kurz vor dem Attentat hatte er dem Klub anvertraut, dass er bedroht werde und deshalb beim Endspiel seinen angestammten Platz auf der Tribüne des Stadions De Kuip nicht einnehmen könne.

Als Rotterdamer Sportler und Politiker noch über eine Verlegung des Endspiels nachdachten, da hatte die Uefa ihre Entscheidung längst gefällt und die beiden Vereine von ihrer Sicht der Dinge in Kenntnis gesetzt. Das Spiel findet auf jeden Fall statt, hieß es seit dem Morgen lapidar. Doch auch wer die rechtspopulistischen Ideen des Ermordeten nicht teilt – und das wird hoffentlich die große Mehrheit nicht nur in Holland sein und bleiben –, auch der ist geschockt von dem Mord. Schon deshalb sollte man kurz darauf nicht Fußball spielen, als sei nichts geschehen. Ein Innehalten täte in solchen Momenten gut. Auch dann würden die Spiele weitergehen – mit einem besseren Gefühl.

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