Sport : Und wo geht’s hier zum Tor?

Hertha misslingt die Wiedergutmachung für München – die Berliner spielen beim 0:0 gegen Mainz zu feige

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Stolperspiel. Gegen die Mainzer kam Herthas Angreifer Adrian Ramos nicht in Tritt – wie sein ganzes Team. Foto: dpa
Stolperspiel. Gegen die Mainzer kam Herthas Angreifer Adrian Ramos nicht in Tritt – wie sein ganzes Team. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Die Herbstsonne über Berlin blinzelte noch einmal ins Olympiastadion, hatte aber keine sonderliche Kraft mehr. Er war recht frisch, aber zumindest sah es schön aus. Die gastgebende Mannschaft von Hertha BSC konnte nicht mal das für sich in Anspruch nehmen. Es war ganz und gar nicht gut, was der Berliner Bundesligist vor 47 064 Zuschauern bot. Und das gegen eine Mannschaft aus Mainz, die zuletzt sieben Mal in Serie nicht mehr gewonnen, davon fünf Spiele sogar verloren hatte. Nach weitgehend ereignisfreiem Spiel trennten sich Hertha und der FSV Mainz 0:0. Damit missglückte den Berlinern die Wiedergutmachung für das Desaster von München.

Herthas Trainer Markus Babbel hatte im Vergleich zur Klatsche beim FC Bayern seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert. Für Pierre-Michel Lasogga stürmte Adrian Ramos und im zentralen, defensiven Mittelfeld erhielt Fabian Lustenberger an der Seite von Andreas Ottl den Vorzug gegenüber Peter Niemeyer. Genützt hat es nichts. „Wir waren vor allem im Spiel nach vorn nicht gut“, sagte Babbel hinterher, „wir können froh sein mit dem Punktgewinn.“

Die Gäste waren die klar dominante Mannschaft. Dass die Berliner ihrem Gegner gern mal die Spielgestaltung überlassen, ist so neu nicht und deshalb eigentlich nicht weiter tragisch. Wenn, ja wenn Hertha als Kontermannschaft ihrem Namen auch gerecht wird. Doch das Spiel der Berliner blieb gestern derart kraftlos, dass so gut wie keine nennenswerten Torchancen heraussprangen. Lediglich ein Ball verirrte sich in der ersten Hälfte auf das Dach des Tores der Mainzer. Nach einer halben Stunde hatte Ramos mit dem Hinterkopf geköpft.

Der Tabellen-15. aus Mainz machte es zwar nicht besser, gleichwohl waren seine Bemühungen ansehnlicher. Das Team von Trainer Thomas Tuchel hatte mehr Ballbesitz, war lauf- und zweikampffreudiger und hatte bessere Torchancen. Nach gut zehn Minuten verzog Andreas Ivanschitz knapp, kurz vor der Halbzeitpause verhinderte Herthas Torwart Tomas Kraft reflexartig gegen Elkin Soto aus kurzer Entfernung. Eine Führung wäre für die Rheinhessen zur Halbzeit verdient gewesen.

Bislang war es den Berlinern in dieser Saison noch gelungen, einem nicht so guten Auftritt ein zumindest engagiertes Spiel folgen zu lassen. Davon konnte gestern keine Rede sein. Das Team wirkte faul und feige, was daran festzumachen war, dass die so genannten zweiten Bälle eigentlich stets die Mainzer für sich hatten. Die Berliner standen zu weit weg von ihren Gegnern, und wenn sie mal einen Ballgewinn zu verzeichnen hatten, entstand wegen schlampiger Abspiele so gut wie kein Spielfluss. Zudem erreichte bei den Berlinern das Spiel ohne Ball einen saisonalen Tiefpunkt. „Wir waren zu lethargisch“, sagte Herthas Kapitän Andre Mijatovic.

Herthas Harmlosigkeit sollte auch die Halbzeitansprache von Trainer Markus Babbel überleben. Mainz blieb die aktivere, gefälligere und damit auch latent die gefährlichere Mannschaft. Nach knapp einer Stunde musste Herthas Torwart Kraft erneut gegen Ivanschitz in höchster Not klären. Dem Anhang der Berliner wurde mulmiger. Die Pfiffe aus der Fankurve waren nun unüberhörbar.

Inzwischen hatte auch Babbel seine Geduld verloren. Für den völlig enttäuschenden Änis Ben-Hatira kam Tunay Torun ins Spiel, wenig später ersetzte Pierre-Michel Lasogga den glücklosen Adrian Ramos und Peter Niemeyer noch Fabian Lustenberger, der eine Platzwunde am Kopf erlitt, nachdem ihn Mijatovic unglücklich getreten hatte.

Durch die Wechsel ging zumindest ein kleiner Ruck durch die Reihen der Berliner. Nach 80 Minuten hatte Hertha erstmals einen Eckball erkämpft. Den zweiten gab es gleich hinterher.

Den Mainzern war die Puste ausgegangen, und so kamen die Berliner zu ihrer besten Chance überhaupt - eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit. Doch Raffael scheiterte mit seinem Schuss. Verdient wäre ein Tor auch nicht gewesen.

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