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Unentschieden bei Eintracht Frankfurt : Hertha BSC verspielt den Sieg

Geführt, zurückgelegen, wieder geführt: Hertha BSC hat den Sieg bei Eintracht Frankfurt dicht vor Augen, kassiert in der Nachspielzeit aber noch das 3:3.

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Ibisevic traf zweimal, Hertha verpasste den Sieg dennoch.
Ibisevic traf zweimal, Hertha verpasste den Sieg dennoch.Foto: AFP

Jesus Vallejo näherte sich dem Kapitän der Berliner mit großer Ehrfurcht. Der Spanier wirkte wie ein schüchterner 19-Jähriger, als er Vedad Ibisevic fragte, ob er nicht sein Trikot mit ihm tauschen wolle. Vielleicht lag es daran, dass Vallejo, der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt, 19 Jahre alt ist. Vielleicht fürchtete er auch, dass Ibisevic nicht gerade gut gelaunt war. Umso glücklicher nahm er dessen Trikot in Empfang und bedankte sich mit den Worten: „Gute Fahrt.“

Aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit war es eine ziemlich gute Nachricht, dass die Fußballer von Hertha BSC die Rückreise nach Berlin nicht in ihren eigenen Autos antreten mussten. Mit ihren brummenden Köpfen nach diesem verrückten Spiel waren sie mit Sicherheit nicht fahrtüchtig. 1:0, 1:2 zur Pause, 3:2 und am Ende 3:3 durch ein Kopfballtor des Frankfurter Verteidigers Michael Hector in der Nachspielzeit – so stellte sich der Spielverlauf aus Sicht der Berliner dar. „Mit dem Punkt kann man schon leben“, sagte Ibisevic. „Aber so ist es bitter, einfach bitter.“

Die Ultras von Hertha BSC protestieren gegen die Trikots in Pink

In der Kurve der Berliner hatten die Ultras zehn Minuten nach dem Anpfiff ein Transparent mit der Aufschrift „Nur echt in Blau-Weiß“ entrollt. Hertha spielte im unbeliebten Pink, und nach der Logik der Fankurve handelte es sich bei der Gästemannschaft demnach um ein Plagiat. Völlig abwegig war diese Ansicht nicht: Es war jedenfalls ein ziemlich untypisches Spiel für die Berliner, die sonst sehr auf Kontrolle bedacht sind.

Dabei hatte bis kurz vor der Pause jede Menge Hertha in den pinken Trikots gesteckt. „In der ersten Halbzeit haben wir gut gegen den Ball gearbeitet“, sagte Trainer Pal Dardai. „Wir hatten alles unter Kontrolle.“ Die Gäste nahmen den Frankfurtern auf ihre bewährte Art den Spaß. Sie standen gut, liefen viel und boten der Eintracht wenig Platz. Nur in der vierten Minute musste Hertha eine brenzlige Situation überstehen. Danny Blum zog von rechts mit links ab und zwang Torhüter Rune Jarstein mit seinem Flachschuss zum Eingreifen.

Nach der 0:3-Niederlage bei den Bayern hatte Dardai Per Skjelbred und Valentin Stocker für Allan und Alexander Esswein gebracht. Der Schweizer Stocker war sehr eifrig und entscheidend an Herthas Führung Mitte der ersten Hälfte beteiligt. Nach einem Zuspiel von Marvin Plattenhardt wurde Stocker von seinem Landsmann Haris Seferovic im Strafraum gefoult, den folgenden Elfmeter verwandelte Herthas Kapitän Vedad Ibisevic zum 1:0.

In der Folge fiel der Eintracht nur wenig ein. Es war kein Zufall, dass der Ausgleich nach einer Ecke fiel – allerdings nach einer für Hertha. Nach der Faustabwehr von Lukas Hradecky brauchten die Frankfurter nur drei Stationen, bis der Ball auf der anderen Seite im Tor landete. Blum ließ an der Mittellinie Peter Pekarik stehen und passte umgehend in die Mitte, wo Plattenhardt gegen Marco Fabian einen Schritt hinten dran war. Der Mexikaner ließ Jarstein keine Chance.

Dass die Frankfurter auch bei eigenen Standards gefährlich sind, zeigten sie noch vor der Pause. Ibisevic ließ den Ball nach einer Ecke genau vor die Füße von Alexander Meier prallen, Frankfurts Kapitän hatte 32,5 Zentimeter vor dem Tor keine Mühe hatte, seinen dritten Saisontreffer zu erzielen. „Wie aus dem Nichts“, so Dardai, hatten die Frankfurter das Spiel gedreht, „wir haben es einfach verschenkt“.

Aber Hertha holte sich das Spiel zurück, auch dank eines glücklichen Wechsels zur Pause. Dardai brachte Esswein für Pekarik, den die Frankfurter als Einfallstor für ihre Angriffe identifiziert hatten. Der Slowake hatte einige Schwierigkeiten mit Blum, war kurz vor der Pause verwarnt worden und klagte über muskuläre Probleme.

Der Wechsel erwies sich als Glücksgriff. Nach einer knappen Stunde wurde Esswein von Stocker auf der rechten Seite freigespielt, seine Flanke fand in der Mitte Ibisevic, der ohne Gegnerkontakt keine Mühe hatte, zum 2:2 zu treffen. Nicht mal zehn Minuten später hatte Esswein erneut viel Platz auf der rechten Seite, diesmal zog er nach innen und schlenzte den Ball mit dem linken Fuß hart neben den Pfosten zum 3:2 ins Tor. In knapp 65 Minuten hatten die Frankfurter damit mehr Gegentore kassiert als in den vier Saisonspielen zuvor. Nach dem späten Ausgleich war ihnen das ziemlich egal. Trainer Niko Kovac sagte: „Wir sind zufrieden mit dem Punkt.“

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