Unentschieden wie ein Sieg : Schalke versöhnt sich mit seinen Fans

In den letzten Jahren hatte sich ein nicht mehr zu übersehender Bruch zwischen den Fans und der Mannschaft von Schalke 04 ergeben. Das spektakuläre 3:3 gegen den Hamburger SV hat bewirkt, dass die Schalker Anhänger ihren Frieden mit den Profis geschlossen haben.

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]
FC Schalke 04 - Hamburger SV
Wir sind Schalker.Foto: dpa

Frank Rost hatte ungewöhnlich gute Laune. Immerhin hatte der Torhüter des Hamburger SV beim spektakulären 3:3 beim FC Schalke 04 drei Gegentreffer hinnehmen müssen. Und wer den Ehrgeiz des 36-Jährigen kennt, der musste sich über die Gefühlswelt Rosts wundern. Aber der Torhüter schien sich diebisch darüber zu freuen, dass er seinem früheren Klub mit besonders bemerkenswerten Paraden den Sieg vereitelt hatte. Im Januar 2007 war Rost nach der Degradierung zum Ersatztorhüter nicht ohne atmosphärische Störungen zu den Hanseaten gewechselt. Offenbar beschäftigt ihn dieser vorzeitige Abgang noch immer. „Die Ansprüche der Schalker sind ganz schön gesunken“, frotzelte Rost. „Die feiern ein Unentschieden gegen zehn Mann wie einen Sieg. Dabei haben sie doch einen der teuersten Kader in der Bundesliga.“

Tatsächlich waren die Schalker Spieler und Anhänger trotz aller Finanzprobleme begeistert, nachdem sie dieses kuriose Auf und Ab emotional durchgestanden hatten. Zur Pause hatte Schalke nach Treffern von Marcus Berg und Piotr Trochowski bereits mit 0:2 zurückgelegen. Kevin Kuranyi und Lukas Schmitz erzielten den zwischenzeitlichen Ausgleich. Doch trotz Unterzahl – David Rozehnal sah nach einer Notbremse gegen Kuranyi Rot – erzielte Marcus Berg erneut die 3:2-Führung für den HSV. Kuranyi war es dann, der in der letzten Minute den viel umjubelten Schlusspunkt setzte.

Die kollektive Verzückung hatte zum einen mit dem spektakulären Ergebnis, zum anderen aber mit dem Binnenverhältnis zu tun. Diese Partie hat bewirkt, dass die Schalker Fans ihren Frieden mit den Profis geschlossen haben. In den letzten Jahren hatte sich ein nicht mehr zu übersehender Bruch zwischen beiden Seiten ergeben. Mangelnde Leidenschaft, ermüdendes Defensivspiel und wenig Nähe zur Fanbasis waren nur einige der Vorwürfe der Anhänger. Dies hat sich gewandelt und damit auch die Unzufriedenheit. Felix Magath hatte die Aufhebung dieses Zustands zu Beginn seiner Amtszeit als eines seiner vorrangigen Ziele ausgegeben. Dies scheint bereits nach zehn Bundesliga-Spieltagen umgesetzt zu sein. „Ich bin ja wegen der Emotionen hierher nach Schalke gekommen“, sagte Magath.

Aber trotz des sportlichen Erfolgs und dem aktuell vierten Tabellenplatz sieht der trainierende Manager weitere Arbeit auf sich zukommen. „Wir spielen zwar mit unglaublicher Leidenschaft“, sagte er. „Aber wir müssen uns noch deutlich verbessern. Das Spiel hat bestätigt, dass wir keine Spitzenmannschaft sind, der HSV es aber ist.“

Selten hat eine Mannschaft in der Schalker Arena so zielstrebig, selbstbewusst und forsch aufgespielt wie die Hamburger. Trotz der zusätzlichen Spiele in der Europa League wirkte das Team von Bruno Labbadia so frisch wie zu Saisonbeginn. Besonders Zé Roberto stach mit seiner Ballsicherheit und seiner Dynamik aus einem variablen und individuell überdurchschnittlich begabten Team heraus. „Er besitzt eine von Gott gegebene Dynamik, die nur wenige haben. Er ist ein zentraler Punkt in der Mannschaft“, sagte Bruno Labbadia über den 35-Jährigen. „Aber das wussten wir schon bei seiner Verpflichtung.“

Zé Roberto ist der Lenker der jungen Kräfte wie Elia, Dennis Aogo und Marcus Berg, die den HSV trotz aller Verletzungsprobleme von namhaften Spielern wie Mladen Petric und Paolo Guerrero gemeinsam in der Tabellenspitze oben halten. Der HSV hat das Selbstverständnis verinnerlicht, ein Spitzenteam zu sein. Auch Frank Rost wurde am Ende eines höchst unterhaltsamen Abends etwas milder. „Wir haben nicht gegen irgendjemanden gespielt, sondern gegen eines der Topteams der Liga. Mit dem einen Punkt können wir gut leben und sollten diesen richtig einordnen“, sagte er und ließ seine Vergangenheit ruhen.

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