Sport : Unerfüllte Wünsche

Beim Auftakt der Vierschanzentournee fliegt der Norweger Pettersen den deutschen Skispringern davon

Benedikt Voigt

Oberstdorf. Beim Skispringen ist es inzwischen üblich, Wünsche in Plakatform an die Springer heranzutragen. Vor einigen Jahren hoben mal ein paar männliche Spaßvögel in Oberstdorf ein Tuch in die Höhe, auf dem zu lesen war: „Martin, ich will ein Kind von Dir.“ Beim gestrigen ersten Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf kamen ein paar Varianten dieser ursprünglichen Version zum Einsatz: „Hanni, ich will ein Pils von Dir“ oder „Hanni, ich will ein Kind von deiner Freundin“. Etwas höflicher formulierte der deutsche Bundestrainer Wolfgang Steiert sein Anliegen an seinen prominentesten Springer: Er wünschte sich einen Spitzenplatz. Doch Sven Hannawald erfüllte keinen einzigen dieser Wünsche.

Der deutsche Skispringer landete beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf nach Sprüngen auf 123,5 und 124,5 Meter lediglich auf Rang 18. Damit wird es sehr schwer für ihn, in der Gesamtwertung der Tournee noch einen vorderen Rang zu belegen. Der große Favorit auf den Gesamtsieg ist nun der Norweger Sigurd Pettersen, der den gestrigen Wettbewerb souverän mit Sprüngen von 133 und 143,5 Meter gewann und bereits jetzt 22,5 Punkte Vorsprung hat. Mit seinem zweiten Sprung stellte der Norweger auch noch einen neuen Schanzenrekord in Oberstdorf auf. Der Österreicher Thomas Morgenstern überraschte in seinem ersten Wettbewerb nach seinem spektakulären Sturz beim Weltcupauftakt in Kuusamo ebenfalls. Der 17-Jährige landete auf dem zweiten Platz vor seinem Landsmann Martin Höllwarth.

Trotz der schwachen Leistung von Sven Hannawald war Trainer Wolfgang Steiert nicht unzufrieden mit den Leistungen seiner Springer. Denn Michael Uhrmann bestätigte mit einem vierten Platz seine konstanten Leistungen in dieser Saison. „Momentan läuft es schon sehr gut“, sagte Uhrmann. Auch Georg Späth konnte mit einem siebten Rang überzeugen. Man wird sich in den nächsten Tagen und Wochen womöglich daran gewöhnen müssen, dass nicht mehr nur die Namen Sven Hannawald und Martin Schmitt fallen, wenn es um die deutsche Mannschaft geht. „Man sieht, dass die anderen Springer nachkommen“, sagte Sven Hannawald, „wir haben drei Mann, die in der Nähe sind.“ Nach einer kurzen Pause verbesserte er sich, denn das Ergebnis von Oberst- dorf sagte etwas anderes: „Beziehungsweise, die vorne dran sind.“ Als drittbester deutscher Springer landete Maximilian Mechler auf Rang 15. Eine enttäuschende Darbietung zeigte Martin Schmitt, der nur auf Rang 27 kam und im K.o.-Springen Glück hatte, dass sein Gegner noch schwächer war. „Es war heute nicht mein Tag“, sagte der 25-Jährige.

Der Tag hatte bereits nicht gut begonnen für das deutsche Team. Bundestrainer Wolfgang Steiert nahm um acht Uhr morgens erstmals zu den persönlichen Angriffen Stellung, die der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe gegen ihn erhebt. „Das hat mir weh getan“, sagte Steiert, der ungewohnt nachdenklich in seinem blauen Retro-Trainingsanzug vor den Journalisten saß. Im Laufe des Tages stärkte ihm der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, Thomas Pfüller, den Rücken. „Ich stehe zu hundert Prozent zum deutschen Sprungteam, und damit meine ich Trainer und Athleten“, sagte Thomas Pfüller, „es gibt keinen Grund an Wolfgang Steiert herumzumeckern.“

Die Bilanz des neuen Cheftrainers fällt nach dem ersten Springen der Vierschanzentournee durchwachsen aus. In der Breite trat das deutsche Team geschlossen auf, doch ein absolutes Spitzenergebnis fehlt. Die Hoffnungen ruhen nun neben Sven Hannawald auch auf Michael Uhrmann. „Ich setze mich nicht unter Druck“, sagte der 25-Jährige aus Ruhpolding, „mit dem Tag heute habe ich schon viel erreicht.“ Für seinen vierten Platz erhielt er einen Kristallpokal und etwas Preisgeld, das er gut gebrauchen kann. „Ich will im nächsten Jahr ein Haus bauen“, sagte Uhrmann. Für die 4000 Euro, die er in Oberstdorf erhielt, dürfte er allerdings noch keine Firma finden, die ihm eine Baugrube aushebt. Ein Grund mehr, auch am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen gut zu springen.

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