Sport : Unerlaubter Weitschuss (VII): Belgische Himbeere

Benedikt Voigt

Beim unerlaubten Weitschuss pfeift der Eishockey-Schiedsrichter ab. Wir aber fangen erst richtig an. Mit Geschichten, die schon mal über das olympische Ziel hinausschießen.

Sie hatten uns gewarnt. Salt Lake City, haben sie gesagt, das läge in Utah, dem Mormonenstaat, und was das bedeute, müsse uns klar sein: kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Kaffee, kein Tee. Wenn überhaupt Bier, dann Budweiser Light, dieser flüssig gewordene Euphemismus. Wie will ein Bier leichter sein als Budweiser? Nein, man musste mit dem Schlimmsten rechnen vor dieser Reise in die Olympiastadt. Dann betraten wir Marmot Mesa.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen "Manchmal muss man abwägen zwischen Belohnung und Bestrafung", sagt James, einer der Besitzer von Marmot Mesa. Sein Brauhaus liegt in der Nähe des Main Media Center der Olympischen Spiele und bietet dem durstigen Gast eine Karte mit elf selbstgebrauten Bieren. Darauf lassen sich einige Abartigkeiten finden, die, wenn schon nicht in Utah, dann in Deutschland unter Strafe stehen: Chili Ale zum Beispiel. "Das Chili-Bier fordert die Normen der etablierten Bierkultur heraus", erklärt die Bierkarte. Oder Belgian Raspberry, Belgische Himbeere. "Gerade genug Himbeere, um die Palette abzurunden." Klingt geschmacklos, weshalb wir auch sehr skeptisch waren, als wir an fünfter Stelle der Karte ein Bier namens Hefeweizen entdeckten. "Norddeutsches Weizenbier", erklärte die Karte, "dieses ungefilterte Bier schmeckt an einem heißen Tag mit einem Stück Zitrone wundervoll." Wie gesagt, wir waren skeptisch, und das lag nicht nur an der Außentemperatur von minus acht Grad.

Dann kam James und brachte ein Hefeweizen, das sich durch nichts, aber auch gar nichts von einem deutschen Hefeweizen unterschied. "Ihr müsst aus Deutschland sein", sagte James, als wir das Bier lobten, "die Leute in Utah finden, dass es schrecklich schmeckt." Wir waren gegenteiliger Meinung. Die Hefe stamme aus Deutschland, erklärte James, und das mit den Gesetzen der Mormonen sei auch nicht so schlimm. 3,2 Prozent Alkohol darf das Bier in Utah haben. "Dieses Bier hat vielleicht vier Prozent", sagt James, "seit zwei Jahren haben wir keine Kontrolle gehabt." Vier Prozent? Es gibt Experten, die würden Utahs Hefeweizen sogar noch ein wenig darüber einordnen, doch das ist nicht so wichtig. James kommt gerade und fragt: Noch ein Bier?

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