Sport : Unerwartetes Wechselspiel - Scott Milanovich wird zum Stamm-Quarterback

Ingo Wolff

Es ist nicht lange her, da haben Scott Milanovich und Eric Kresser regelmäßig im Gespräch vertieft den Trainingsplatz von Berlin Thunder verlassen. Inzwischen ist der gedankliche Austausch der beiden Quarterbacks nach dem Training etwas abgeebbt. Entweder marschiert Milanovich selbstbewußt voraus und Kresser trottet hinterher. Oder der eigentlich erste Spielmacher verschwindet eilig in der Kabine und die neue Nummer eins im Berliner Footballteam steht den Journalisten und Fans noch Rede und Antwort.

Grund für den Hierachiewechsel war vor drei Wochen eine Entzündung in Kressers Schulter, die den Stammquarterback zu einer Pause zwang. Die ist zwar inzwischen wieder ausgeheilt, doch die Pause belastet ihn noch immer mental. Verstärkend wirkt da sicher die Entscheidung von Headcoach Peter Vaas, Milanovich am Sonnabend in Düsseldorf gegen Rhein Fire erneut als Spielmacher starten zu lassen. "Eric ist zwar wieder fit, aber ich möchte den Rhythmus meiner Mannschaft nicht unterbrechen", begründet er seine Enscheidung. Kürzlich war das noch anders, als Vaas selbst nach einer Niederlage Kresser uneingeschränktes Vertrauen aussprach. Das genießt nun Milanovich und Kresser muss seinerseits auf einen Fehler warten. Eine Rolle, die der Cheftrainer eigentlich dem Spieler, der in der NFL bei den Tampa Bay Buccaneers spielt, zugedacht hatte. Doch Ersatzmann Milanovich hat sich die Position durch gute Leistungen inzwischen auch erspielt. Er agiert zunehmend fehlerfrei. Das musste jetzt selbst Vaas anerkennen und verurteilt Kresser weiter zum Warten an der Seitenlinie.

Zurzeit gelingt Scott Milanovich eben alles. Na ja, fast alles. Im Kampf mit einem Kronenkorken zog der stämmige Quarterback nach dem vorigen Spiel den Kürzeren und musste sich beim Öffnen assistieren lassen. In Deutschland werden Bierflaschen eben nicht aufgedreht. Ansonsten hat er sich die Bedingungen in der NFL Europe gut angepasst. Selbst an die Regeln, die sich zum Teil von der NFL unterscheiden, hat sich der 27-Jährige mittlerweile gewöhnt. "Einige Spieler dachten doch nach dem Fieldgoal in unserer ersten Verlängerung, es sei Schluss und sind vom Platz gegegangen. Doch dass man in Europa noch einmal antworten kann, finde ich schon gerecht", sagt der sonst eher wortkarge Milanovich.

Seine neue Umgebung hat er mit seiner Frau, die bis zu ihrer Rückkehr nach Florida vor wenigen Tagen mit im Hotel in Teltow wohnte, bereits erkundet. Selbst zur Ostsee, nach Hamburg und zum Golfen nach Schottland sei er gefahren. Was Amerikaner eben unter näherer Umgebung verstehen. Für mehr bleibt wegen des Trainings keine Zeit. Milanovich will schließlich als Nummer eins überzeugen und so beim Tabellenführer Rhein Fire für eine weitere Überraschung sorgen. Wie am vorigen Sonntag beim ersten Thunder-Sieg gegen ein deutsches Team.

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