Sport : Unerwünscht tolerant? Rassismus-Vorwürfe gegen Fifa-Präsident Blatter

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Berlin - Null Toleranz. So lautet die zentrale Botschaft des Fußball-Weltverbandes Fifa in diesem Jahr. Nun hat es dessen Präsident Joseph Blatter damit selbst aber nicht so genau genommen. Als unerwünscht tolerant im Umgang mit rassistischen Anfeindungen sind nämlich die Äußerungen des Schweizers in einem TV-Interview zu verstehen. Und Blatters Versuche, der immer stärker werdenden Kritik an seiner Person entgegenzuwirken, könnten ungeschickter kaum sein.

Am Mittwoch hatte Blatter in einem Interview mit dem TV-Sender Al-Dschasira ein Rassismusproblem im Fußball geleugnet. Abfällige Gesten oder Bemerkungen während eines Spiels seien nach dem Abpfiff „vergessen“, sagte er. Und sollte ein Problem auch nach einer Partie doch noch bestehen, so Blatter weiter, müssten die Offiziellen der jeweiligen Liga „die beiden Streitenden zusammenbringen und ihnen sagen: Schüttelt euch die Hände“.

Es dauerte nicht lange, bis sich Empörung breitmachte. Die ersten kritischen Stimmen kamen aus dem Blatter ohnehin abgeneigten England, wo das Thema derzeit aktueller denn je ist. So wurde dem Kapitän der Nationalmannschaft, John Terry, zuletzt vorgeworfen, seinen Gegenspieler Anton Ferdinand in einem Erstligaspiel rassistisch beleidigt zu haben. Dessen Bruder Rio Ferdinand von Manchester United reagierte per Twitter entrüstet auf die Äußerungen Blatters. Er sei „erstaunt“ über die Aussagen des Fifa-Präsidenten und bezeichnete den Kommentar Blatters als „so herablassend, dass es fast schon lachhaft ist“. Er sei dumm gewesen zu glauben, dass der „Fußball eine Führungsrolle im Kampf gegen Rassismus“ übernommen habe, schrieb Ferdinand. Der britische Sportminister Hugh Robertson legte sich auf die Frage, ob Blatter zurücktreten solle, im Interview mit dem Sender BBC Radio 5 jedenfalls fest: „Ja“, sagte Robertson und ergänzte: „Was Joseph Blatter gesagt hat, ist komplett falsch und moralisch nicht zu vertreten.“

Die Fifa reagierte am Mittwochabend mit einer Pressemitteilung auf ihrer Website. Darin betonte Blatter, dass er falsch verstanden worden sei. „Mir ist natürlich auch bewusst, dass es im Fußball leider immer noch Rassismus gibt. Das habe ich auch nie bestritten“, erklärte der Schweizer. Er wolle noch einmal ganz klar zum Ausdruck bringen, „dass ich mich aktiv für den Kampf gegen den Rassismus und jegliche Form der Diskriminierung im Fußball und in der Gesellschaft einsetze. Ich führe den Kampf gegen den Rassismus im Fußball persönlich an, dem die Fifa sich in den letzten Jahren mit Kampagnen in all ihren Wettbewerben verschrieben hat.“ dapd/dpa

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