Sport : Unerwünschter Heimkehrer

Ronaldo wieder in Barcelona – allerdings mit Real Madrid

Harald Irnberger

Madrid. Erfolge können die Fans des FC Barcelona in der laufenden spanischen Meisterschaft selten feiern. Umso größer wird ihr Wunsch sein, den Frust an einem abzureagieren, dem sie einst zugejubelt haben. Heute kommt Real Madrid zum Derby – und mit Real auch der brasilianische Torjäger Ronaldo. Der hatte vor fünf Jahren den endgültigen Durchbruch zur Weltspitze geschafft – im Barca-Dress. Für 55 Millionen Euro war Ronaldo im vergangenen Sommer von Inter Mailand nach Madrid geholt worden.

Der Spieler gibt sich noch gelassen. „Vor vier Monaten habe ich mit der Nationalelf in Barcelona gegen die katalanische Auswahl gespielt, da haben mich die Leute gut behandelt. Das wird dieses Mal wohl anders werden, aber das beunruhigt mich nicht", sagt er. Was tatsächlich auf ihn zukommt, könnte der Brasilianer von seinem portugiesischen Mannschaftskollegen Luis Figo erfragen, der vor zwei Jahren nach Madrid wechselte. Als Real erstmals nach diesem Transfer in Barcelona antrat, war ein riesiges Polizeiaufgebot rund um die Uhr im Einsatz. In der Nacht vor dem Match hatten Barca-Anhänger bis zum Morgengrauen vor dem Quartier der Gastmannschaft randaliert. Und im Stadion setzte sich der verbale Terror gegen Figo fort. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was ihn in Barcelona erwartet, erhielt Ronaldo am vorigen Sonntag beim 0:0 gegen Tabellenführer Real Sociedad. Erstmals gab es Pfiffe vom eigenen Publikum, als er 20 Minuten vor Ende ausgewechselt wurde. Die Fans werden ungeduldig mit dem Brasilianer, der zwar bei seinem Debüt bei Real am 6. Oktober gegen Alaves bei einem 20-Minuten-Einsatz zwei Treffer erzielte, doch seither nur noch ein einziges Tor schaffte.

Den Real-Anhang alarmieren aber auch die häufig recht hilflos wirkenden Auftritte des Stürmers, der schon bei der Ballannahme verblüffende Schwächen erkennen lässt. Ronaldo wirkt derzeit zudem unbeweglich und schwerfällig. Das scheint weniger eine Folge der schweren Knieverletzungen zu sein, die er in den letzten Jahren auszukurieren hatte, als seines generell fragwürdigen körperlichen Zustands. Als rundum gesund gilt bei ihm derzeit einzig der Appetit.

Vorderhand tröstet man sich bei Real damit, dass die Neuerwerbung zumindest in geschäftlicher Hinsicht hält, was man sich von ihr versprochen hat. Vom Trikot mit der Nummer 11 wurden binnen zwei Monaten mehr 200 000 Stück zum Stückpreis von 77 Euro verkauft. Das ist absoluter Rekord.

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