Sport : Ungeduldig, starr und unerfahren Confed-Cup: Kritik am Verhalten der Gastgeber

-

Hannover Gerd Graus zeigte sich überrascht. „Wir haben alle Mannschaften gebeten, uns über Mängel beim Confed-Cup zu informieren“, sagte der Sprecher des deutschen Organisationskomitees (OK). „Aber bisher hat es keine negative Rückmeldung gegeben.“ Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira habe lediglich den zu weiten Weg im Leipziger Stadion von den Mannschaftskabinen zur Pressekonferenz moniert.

Grund für das Erstaunen innerhalb des OKs war die öffentliche Kritik brasilianischer Funktionäre und Journalisten an der Organisation des Confed-Cups. So bemängelte der Konditionstrainer des Weltmeisters, Moraci Vasconcelos, den ungenügenden Trainingsplatz in Hannover. Falls Brasilien als Tabellenerster der Gruppe B zum Halbfinalspiel am kommenden Sonntag erneut nach Hannover müsse, werde man erst später als ursprünglich vorgesehen aus dem Quartier in Bergisch Gladbach anreisen und in Hannover nur das Abschlusstraining absolvieren.

Auch Nationalelf-Chefsupervisor Americo Faria kritisierte in den brasilianischen Medien, dass es zu wenig angemessene Trainingsplätze in Hannover gebe. Zudem habe ein für das Haupttor eines Trainingsplatzes verantwortlicher Mann den fünfmaligen Weltmeister nicht durchlassen wollen und erst nach langer Diskussion und Drohungen nachgegeben. Desweiteren habe sich ein Fahrer der Organisation beim Transport von Funktionären des brasilianischen Verbandes vom Flughafen zum Hotel verfahren. „Oft sind es kleine Dinge, die unsere Arbeit erschweren“, sagte Faria. Brasilianische Medien kritisieren ganz allgemein das Verhalten der Gastgeber. „Die Deutschen werden schnell ungeduldig, sind starr und, so unglaublich das klingen mag, sie sind mit der Routine großer Wettbewerbe wenig vertraut“, schrieb die Zeitung „O Globo“.

Die Strenge der Sicherheitskräfte lernte auch Japans Nationaltrainer Zico kennen. Der Brasilianer wollte in der Lobby des Mannschaftshotel in Hannover ein Fernsehinterview führen, was ihm jedoch untersagt wurde. Trotz des Einwands, dass er Verantwortlicher der Auswahl sei, wurde der Coach mit den Reportern vor die Tür geschickt, weil keine Kamera im Hotel erlaubt sei. Der Journalist Antero Greco vom Sport-Fernsehsender „ESPN Brasil“ beklagte das aggressive Verhalten der Polizei in Hannover. Journalisten hätten nicht einmal in Ruhe Schaufenster im Lobbybereich des Hotels der Nationalelf betrachten können.

Australiens Trainer Frank Farina stellte den Gastgebern hingegen ein gutes Zeugnis aus. „Wir sind sehr zufrieden. Für uns war die Organisation perfekt“, sagte er. „Wir haben nur eine große Beschwerde. Wenn ein Spieler verletzt ist, wie Tony Popovic, dann dauert es viel zu lange, ihn vom Stadion in Frankfurt zu einer Untersuchung zu bringen.“ dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben