Sport : Ungelegene Gäste

Gegen Mannschaften wie Bochum sah Hertha BSC in dieser Saison noch nicht gut aus

Stefan Tillmann

Berlin - Eine englische Woche mit Spielen am Mittwoch und Samstag ist eine feine Sache für einen Trainer wie Falko Götz. Zwischen dem Spiel in Bielefeld und dem heutigen Heimspiel gegen den VfL Bochum bleibt nicht viel Zeit für taktische Sitzungen und spielerische Vorbereitungen. Der Trainer von Hertha BSC kann deshalb das machen, was er in dieser Saison besonders gerne macht: motivieren. So wird der 44-Jährige seine jungen Spieler wieder „auf einen heißen Tanz“ am Samstagnachmittag vorbereiten, wie er sagt.

Die Berliner haben in fünf Heimspielen 13 von 15 möglichen Punkten geholt. Doch was für die spielerische Klasse der Berliner spricht, begründen sie mit der richtigen Einstellung, die im Olympiastadion besser sei als bei Auswärtsspielen. Vor der Saison war unklar, wie stark die Mannschaft spielerisch ist. Deswegen galten mutiger Fußball und die Entwicklung der jungen Spieler als passende Saisonziele. Eine „ starke Bedeutung der Motivation“ hatte Götz als zentrale Erkenntnis aus der Weltmeisterschaft gezogen.

Nun ist die Saison zu einem Drittel gespielt, und Herthas Manager Dieter Hoeneß fürchtet, dass die Mannschaft noch nicht begriffen hat, was sie eigentlich kann. Für die magere Auswärtsbilanz von vier Punkten genügt den Hertha-Verantwortlichen oft die mangelnde geistige Frische als Erklärung. Dabei erklären sich der träge Beginn in Bielefeld wie auch die Niederlagen in Cottbus und München aus der mangelnden Kreativität im Spielaufbau. Selbst gegen die Regionalligisten Stuttgarter Kickers und Darmstadt konnten die Berliner zwar spielerische Dominanz erlangen, diese allerdings nur mit Mühe in zwingende Aktionen ummünzen.

Der vierte Platz in der Bundesliga-Tabelle verspricht viel. Doch der Tabellenelfte Energie Cottbus liegt nur zwei Punkte dahinter. Und mit dem VfL Bochum kommt ein Gegner, der Hertha BSC keineswegs liegt. „Ich fürchte, dass sie sich zurückziehen und nur auf Fehler warten werden“, sagt Götz. Hertha wird das Spiel machen müssen. Die letzten Gegner, die derart defensiv nach Berlin kamen, waren Ameri Tiflis (1:0) und FK Moskau (0:0) in der Qualifikation für den Uefa-Cup. Hertha hatte mehr Probleme mit diesen spielerisch unterlegenen Klubs als mit guten Bundesligateams. Aufsteiger Bochum ist zudem relativ auswärtsstark. Die Mannschaft von Marcel Koller spielte unentschieden in Nürnberg und Dortmund, gewann in Hannover. Sie hat damit auswärts mehr Punkte geholt als Hertha oder der FC Bayern.

Im Ringen um individuelle Klasse müssen die Berliner mindestens auf zwei Stammspieler verzichten. Josip Simunic fällt wegen eines Außenbandanrisses im linken Sprunggelenk bis zu zehn Tage lang aus. Wahrscheinlich rückt Arne Friedrich in die Innenverteidigung und Sofian Chahed spielt rechts – vorausgesetzt Pal Dardai kann nach einer Außenbanddehnung wieder spielen. Sonst ersetzt Chahed ihn im defensiven Mittelfeld und Christopher Samba käme in der Viererabwehrkette zum Einsatz. Spielmacher Yildiray Bastürk fehlt auch gegen seinen Ex-Verein wegen einer Wadenbeinprellung. Der 20 Jahre alte Ashkan Dejagah wird ihn wohl zum dritten Mal vertreten.

Patrick Ebert wird zunächst wohl zuschauen müssen. Der 19-Jährige war der neue Star der ersten Spiele, als er stets hochmotiviert ins Spiel kam. Götz ließ Ebert, den er schon als 13-Jährigen in der Jugend von Hertha BSC betreut hatte, auch von Beginn an spielen. Bis dieser nach einigen Fehlern verunsichert agierte.

Eine allgemeine Verunsicherung aber will Hertha BSC vermeiden. Sollte den Berlinern heute gegen Bochum ein weiterer Saisonheimsieg gelingen, „ist es noch eine ganz runde Woche“, sagt Falko Götz.

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