Sport : Ungemach über Trainer Schäfer wächst

Karsten Doneck

Uwe Rösler hat verdammt Recht. Nach dem 0:0 bei Fortuna Köln stellte er fest: "Es muss weitergehen." Dem lässt sich vorbehaltlos zustimmen. Die Frage ist nur: Wie soll es weitergehen bei Tennis Borussia? So wie bisher wohl kaum. Fünf Spiele in Folge ist der selbsternannte Aufstiegsfavorit in der Zweiten Fußball-Bundesliga schon ohne Sieg und hat nun sogar das Toreschießen eingestellt. Der letzte TeBe-Treffer liegt fast fünf Stunden Spielzeit zurück. "Wir sind nicht da, wo wir hin wollten", gibt Trainer Winfried Schäfer vor dem Heimspiel heute (19 Uhr, Mommsenstadion) gegen den FSV Mainz 05 gewisse Erfolgsdefizite zu.

Schäfer gerät langsam selbst in Bedrängnis. Entweder er lehrt seiner Mannschaft in den noch ausstehenden drei Spielen bis zur Winterpause wieder das Siegen oder aber die ungeschriebenen Gesetze der Branche greifen: der Trainer wird entlassen. Wird er wirklich? Schäfer steht bei TeBe noch bis zum 30. Juni 2002 unter Vertrag. Unwidersprochenen Gerüchten zufolge beläuft sich sein Jahresgehalt auf rund 1,8 Millionen Mark. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie teuer den TeBe-Finanzier, die Göttinger Gruppe, eine Trainer-Entlassung käme. Das ginge schon erheblich über die Schmerzgrenze hinaus - auch bei einem Unternehmen, das lilaweiße Spendierhosen trägt. Zumal Präsident Kuno Konrad die ihm übertragene Aufgabe noch nicht erledigt hat, für den am 19. März beurlaubten Schäfer-Vorgänger Stanislav Levy eine Abfindung auszuhandeln, somit ein weiterer Trainer nach wie vor auf der Gehaltsliste steht.

Aber Zufriedenheit löst Schäfers Arbeit offenbar auch in der Führungsetage nicht mehr aus. Die dauernden Konflikte innerhalb der Mannschaft, ausgelöst durch unzufriedene Spieler, blieben auch Erwin Zacharias, als Aufsichtsratvorsitzender der mächtige Mann im Verein, nicht verborgen. Unlängst flippte Mittelfeldspieler Abderrahim Ouakili zum wiederholten Male aus. Bei einem Essen in einem Restaurant soll der Marokkaner gegenüber Marco Walker handgreiflich geworden sein. Schäfer reagierte. Schon beim 0:0 in Köln pausierte Ouakili. Wegen Magen-Darm-Grippe, so die offizielle Version. Auch gegen Mainz fehlt er. Wegen der Streitigkeit oder der Erkrankung? "70 Prozent das eine, 30 Prozent das andere", sagt Schäfer.

Irgendwie ähneln solche Vorfälle denen, über die sich Schäfer bitter beklagte, als er im April seinen Dienst bei TeBe antrat. Seinerzeit murrte er über eine Mannschaft, die in sich zerstritten sei, in der Grüppchenbildung ein konstruktives Miteinander behindern würde. "Es geht nur als Team", sagt Schäfer und zog Konsequenzen, bastelte sich zur neuen Saison nach seinem Gusto eine Mannschaft zusammen. Nur: Auch bei der erweist sich das innere Gefüge als brüchig. Beispiel: Ein TeBe-Profi, als Stammspieler gewiss nicht unter Verdacht, nur an den eigenen Vorteil zu denken, wurde nach sechs Spieltagen bei Präsident Konrad vorstellig, um ihm mitzuteilen, TeBe würde unter diesem Trainer den Aufstieg wieder nicht schaffen. Was auch nicht gerade die Harmonie fördert: Manche Spieler sind misstrauisch geworden, halten sie doch Kapitän Uwe Rösler nicht nur für einen Torjäger, sondern auch noch für das "verlängerte Ohr" Schäfers. Zwei Beispiele von vielen. "Disziplin, auch im Verhalten untereinander - das ist es, was wir lernen müssen", meint der Trainer zu Recht. Aber kriegt Schäfer in dieser Richtung noch die Kurve?

Gegen Mainz fehlen neben Ouakili auch Kozak, Tredup (beide gesperrt) und Hamann (Zerrung in der Wade). Die ehedem "rebellischen" Ciric und Brinkmann spielen von Anfang an. Auf der Bank sitzen erstmals die Amateure Boban und Taljevic. Und falls auch gegen Mainz nicht gewonnen wird? Schäfer: "Damit befasse ich mich nicht."

Wie sagte Uwe Rösler? "Es muss weitergehen." Es wird weitergehen. Mit Winfried Schäfer. Oder notfalls auch ohne ihn.

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