Sport : Ungepflegt gewonnen

Kombinierer Ackermann holt sein zweites Gold und ist der überragende deutsche Athlet bei der WM

Benedikt Voigt[Oberstdorf]

In den letzten Tagen hat der deutsche Kombinierer Ronny Ackermann im Badezimmer ein Detail vernachlässigt. Den Rasierer ließ er unbenutzt liegen und ließ sich stattdessen einen Dreitagebart wachsen. Damit pflegte er vielleicht nicht das Gesicht, dafür aber seinen Aberglauben. Ackermann sagte: „Wer rasiert, verliert.“

Die kleine Nachlässigkeit hat sich gelohnt. Unrasiert, aber als Doppelweltmeister kehrte Ronny Ackermann gestern aus dem Langlaufstadion im Oberstdorfer Ortsteil Ried zurück. Nach dem Einzelwettbewerb siegte der 27-Jährige bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften nun auch im Sprintwettbewerb. „Wahnsinn, was meine Jungs hier geleistet haben“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch, „ich bin überglücklich.“ Die deutschen Kombinierer gewanne nun zwei Gold- und zwei Silbermedaillen bei der WM. Ronny Ackermann ist mit zweimal Gold und einmal Silber mit der Mannschaft der überragende deutsche Athlet dieser Welttitelkämpfe. „Es war für mich die erfolgreichste WM überhaupt.“

Doch auch Björn Kircheisen überraschte gestern noch einmal seinen Trainer. Erst im Zielsprint gab sich der 21-Jährige dem Norweger Kristian Hammer geschlagen, der Bronze hinter seinem Landsmann Magnus Moan gewann. Dabei lief Kircheisen mit einer leichten Erkältung. „Wir dachten am Samstag noch, dass er gar nicht starten kann“, sagte Weinbuch und wunderte sich: „Wir hätten nicht gedacht, dass er soviel Kraft hat.“ Georg Hettich auf Rang sieben und Tino Edelmann auf Rang 18 komplettierten das gute Ergebnis der Deutschen.

Ronny Ackermann aber ragte erneut heraus. Im Langlauf hängte er Moan beim Schlussanstieg ab. „Ich habe mir gedacht, ich probiere es jetzt am Berg“, sagte Ackermann. Zuvor hatte der Thüringer mit dem Norweger auf der 7,5 Kilometer langen Strecke erst den Führenden Anssi Koivuranta eingeholt und sich dann die Führungsarbeit geteilt. „Die Strecke war durch den Neuschnee sehr schwer“, sagte Ackermann, „eigentlich mag ich den Schnee nicht, aber mit meinem neuen Ski lässt es sich in diesem Schnee gut laufen.“

Bereits beim Springen auf der Großschanze hatte sich Ackermann eine sehr gute Ausgangsposition verschafft. „Das war mein bester Sprung hier“, sagte er. Am Vortag hatte er noch an seiner Anfahrtsposition gearbeitet, das Tüfteln hat sich ausgezahlt. Nach einem Flug auf 129 Meter startete er 24 Sekunden nach Anssi Koivuranta in die Spur. Der Finne hatte auf der Großschanze den weitesten Flug geboten und landete erst nach 134 Metern. Björn Kircheisen sprang lediglich auf 121,5 Meter und schien mit 1:10 Minuten Rückstand seine Chance auf eine zweite Medaille bereits verspielt zu haben.

Vor ihm starteten seine Teamkollegen Georg Hettich und Tino Edelmann, die nach dem Springen von Rang sieben und acht aus in die 7,5 Kilometer starteten. Erneut fiel der Finne Hannu Manninen bereits im Springen negativ auf. Der große Favorit und Rivale von Ronny Ackermann ging nach einem Sprung auf 116 Meter mit 1:36 Minuten Rückstand in die Loipe und kam nur auf Rang acht ins Ziel. Kurioserweise bot der 26-Jährige in Oberstdorf die schlechtesten Leistungen dieser Saison. Bei einer WM.

Im Gegensatz zu den Finnen zählte im deutschen Team die Nordische Kombination zu den Gewinnern. Von den sieben deutschen Medaillen hat das Team vom Bundestrainer Hermann Weinbuch vier gewonnen. Doch innerhalb der nordischen Sportarten gilt die Kombination noch nicht als gleichwertig. „Außerhalb der Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele sind nur wenige Nationen dabei“, sagte Gian Franco Kasper, der Präsident des Weltskiverbandes Fis.

So lange Ronny Ackermann für das deutsche Team startet, wird sich der Skiverband für die Durchführung von Wettkämpfen stark machen. Die Erfolge in Oberstdorf gelangen ihm, obwohl er weiterhin noch leichte Schwierigkeiten in der Sprungtechnik hat. „Die Probleme sind noch nicht gelöst“, sagte Weinbuch. Trotzdem, glaubt der Bundestrainer, könne er die Gesamtweltcupführung von Hannu Manninen angreifen: „Ich kenne den Ronny recht gut, er hat den Weltcup noch nicht aufgegeben." 316 Punkte fehlen ihm noch zu dem Finnen. Doch dem neuen Doppelweltmeister ist nach dieser WM alles zuzutrauen.

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