Sport : Ungestrafter Boykott

Siegreiche Beachvolleyballer Brink/Dieckmann legen sich mit dem Verband an

Felix Meininghaus

Timmendorfer Strand - Als Julius Brink am Rande der deutschen Beachvolelyball-Meisterschaften in Timmendorfer Strand vom Vizepräsidenten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) Götz Moser für den Gewinn der Europameisterschaft geehrt wurde, hat der Abwehrspieler den golden eingefärbten Ball in den Sand gelegt und ihn mit einem Fußtritt ins Publikum geschossen. Solch freche, respektlose Gesten gehören bei Julius Brink dazu.

Auch sonst geben sich Brink und sein Partner Christoph Dieckmann schon mal sperrig, wenn die Funktionäre ihre besten Spieler an die Kandare nehmen wollen. Vor Wochen haben es die Europameister abgelehnt, beim Turnier der nationalen Serie in Binz auf Rügen anzutreten. Sie zogen es vor, zur gleichen Zeit bei einer Showveranstaltung in Münster Bälle über das Netz zu schlagen. Der Grund für die Verweigerungshaltung ist ein rein kommerzieller: Seit dem Ausstieg des Fernsehsenders RTL und der Vermarktungsagentur Sportfive sowie dem Rückzug von zwei Hauptsponsoren liegt die nationale Beachvolleyball-Turnierserie darnieder.

Zwei Drittel des Preisgeldes sind weggebrochen, statt ehedem 300 000 wurden in diesem Jahr nur noch 106 000 Euro ausgeschüttet. „In Deutschland spielen im Grunde genommen ein paar Hobbyteams um 1000 Euro Siegprämie. Das lohnt sich nicht für uns“, sagt Dieckmann. Zum Vergleich: Das deutsche Vorzeigedoppel hat in diesem Sommer bei internationalen Turnieren und den deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand über 200 000 Euro gewonnen. Brink sagt: „Niemand kann von uns verlangen, dass wir an einem Wochenende Verlust machen. Wir sind Profis.“

Am Sonntag gewannen Brink/Dieckmann bei strömendem Regen durch ein souveränes 2:0 (21:15, 23:21) gegen die Überraschungs-Finalisten Florian Huth und Stefan Uhmann (Kiel/Kölleda) den Titel des Deutschen Meisters.

Moser würde seine Nationalspieler gerne in die Pflicht nehmen, weiß aber, dass die Verbandsstatuten kaum Möglichkeiten für Strafen bieten. Zudem scheut er sich, ein Exempel zu statuieren, denn „wir können doch nicht unsere besten Leute sperren“. Andererseits möchte auch Moser die nationale Serie wieder nach voran bringen. Weil aber 2007 der Qualifikationsmarathon für die Olympischen Spiele in Peking beginnt, „wird es noch weniger Möglichkeiten geben, Druck auszuüben.“ Im Oktober 2005 hat die Münchener Agentur Sportsandevents (SAE) begonnen, eine neue Serie aufzubauen. Christian Dau, Geschäftsführer bei SAE, findet gar Verständnis für Brink und Dieckmann: „Als Topathlet würde ich auch nicht bei uns spielen.“ Beim Bestreben, neue Sponsoren zu gewinnen und damit wieder mehr Preisgeld in die Tour zu bekommen, sieht Moser am Ende dieser Saison „nicht nur Licht am Horizont, sondern sogar eine aufgehende Sonne.“

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