Sport : Ungewöhnlich gewöhnlich

Stefan Hermanns

Roger Federer hat auch 2006 wieder einige schöne Erfolge zusammengesammelt. Zum Beispiel hat der Schweizer bei allen Grand-Slam-Turnieren im Finale gestanden und bis auf die French Open in Paris auch alle gewonnen. Seit Rod Laver im Jahr 1969 hat das kein Tennisspieler mehr geschafft. Den scheinbar überraschendsten Erfolg des WM-und-Olympia-Jahres 2006 hat Federer jedoch erst zu Beginn des Jahres 2007 erzielt: Er ist vom Europäischen Sportjournalisten-Verband zu Europas Sportler des Jahres gewählt worden, vor Fußball-Weltmeister Fabio Cannavaro, Biathlon-Olympiasieger Michael Greis und Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso.

Federers Wahl ist ebenso gewöhnlich wie ungewöhnlich. Gewöhnlich, weil der Schweizer auch schon 2005 Europas Sportler des Jahres war. Ungewöhnlich, weil seine Überlegenheit im Männertennis inzwischen so selbstverständlich erscheint, dass sie bereits die Aufmerksamkeitsschwelle zu unterschreiten droht. Federer aber schafft es, die Latte immer wieder ein Stückchen höher zu legen – und sie trotzdem scheinbar mühelos zu überqueren.

Die Entscheidung des Sportjournalisten-Verbandes für Federer ist insofern eine würdige, als sie herausragende und konstante sportliche Leistungen honoriert und nicht einen einmaligen Zufallserfolg. Sie ist auch ein dezenter Hinweis an das ignorante deutsche Publikum, dass es im Tennis immer noch überragende Persönlichkeiten gibt, die nicht zwangsläufig einen deutschen Pass besitzen müssen. Europas Sportlerin des Jahres heißt Justine Henin-Hardenne. Eine Tennisspielerin.

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