Sport : Ungewöhnliche Wünsche

Helen Ruwald

Der Sieger jubelte nicht nur, er musste auch trösten. Den Gegner. Und so sprach Trainer Svetislav Pesic nach dem 85:76 seines neuen Klubs Rhein Energy Cologne bei seinem alten Verein Alba Berlin: "Alba hat Probleme. Aber die Mannschaft ist nicht schlechter geworden, sondern die anderen Teams sind stärker. Der große Titelfavorit ist ohne Zweifel immer noch Alba."

Pesics Kollege Emir Mutapcic fehlt der rechte Glaube an die Worte seines ehemaligen Lehrmeisters. "Pesic sagt, dass wir auf dem gleichen Niveau sind wie letzte Saison. Ich finde das nicht", sagte Albas Coach. "Meine Spieler müssen endlich in den Kopf bekommen, dass sie nicht nur in der Euroleague kämpfen müssen, sondern auch in der Bundesliga." Denn Alba wird nicht mehr gejagt, Alba jagt selbst die Konkurrenz. Die Mannschaft, Meister der vergangenen fünf Jahre, ist nur Tabellenvierter.

Denn Alba hat nicht nur gegen das Topteam Köln verloren, sondern auch in Trier und in Bamberg. Am Ende fehlte den vielen angeschlagenen Akteuren - Pesic, Garris, Lütcke und Rödl - oft die Kraft. Sie spielen, teils mit Schmerzmittel, weil Alba die Spieler ausgehen. Ab kommendem Sonntag folgt eine zweiwöchige Länderspielpause. "Die Pause brauchen wir, um zu regenerieren", sagt Mutapcic. Das Problem: Alle angeschlagenen Spieler sind Nationalspieler, die, wie der gesunde Stipo Papic, im 18er-Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Bosnien-Herzegowina stehen.

Alba wäre es am liebsten, wenn Bundestrainer Henrik Dettmann auf das verletzte Quartett verzichten würde, damit die Betroffenen endlich gesund werden und Alba wieder den Kampf um die Spitze aufnehmen kann. "Die Spieler sind in erster Linie Angestellte von Alba. Es ist die Frage, ob die Länderspiele ihrer gesundheitlichen Entwicklung förderlich sind", sagt Manager Carsten Kerner. Mutapcic verweist auf die "große Spielerbasis, die der Deutsche Basketball Bund im Gegensatz zu Alba hat. Es gibt 14 Bundesligateams und viele deutsche Nationalspieler im Ausland." Allerdings stehen Dirk Nowitzki und Shawn Bradley wegen der NBA-Spiele mit den Dallas Mavericks nicht zur Verfügung. Ademola Okulaja (FC Barcelona) laboriert ebenfalls an kleinen Verletzungen, Patrick Femerling (Olympiakos Piräus) will anreisen, obwohl er nach einer Meniskus-Operation "noch nicht wieder gespielt hat. Die Alba-Spieler hingegen spielen. Und wer spielt, der ist fit", sagt Dettmann, dessen Team bei der EM in der Türkei im September mit Platz vier einen starken Eindruck hinterlassen hatte. "Ich habe Verständnis für Alba, aber es geht um die Olympia-Qualifikation. Wir können nicht mit einem Zweitligateam antreten." Bei der EM 2003 in Schweden werden die Plätze für Olympia 2004 in Athen vergeben.

Beide Seiten hoffen auf eine einvernehmliche Lösung, schließlich liegt beiden das Wohl des deutschen Basketballs - der Nationalmannschaft wie des Meisters - am Herzen. Alba habe der Nationalmannschaft immer geholfen, sagt Mutapcic. Und oft verletzte Spieler zurückbekommen. Lütcke und Rödl verletzten sich bei der EM 1999, Lütcke fiel mit einem Kreuzbandriss monatelang aus. Pesic zog sich im Testspiel gegen Jugoslawien im Sommer einen Bänderriss zu, Demirels Knieprobleme verschlechterten sich in der Türkei. Die Akteure selbst warten ab. "Viele haben abgesagt, und man hat Verantwortung für das Team. Andererseits wäre eine Pause nicht schlecht", sagt Lütcke, "ich bin gespannt, wie das ausgeht".

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