Sport : Unglaublich abgehoben

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Höher als 8848 Meter geht es auf dieser Erde nicht mehr. Den Gipfel des Mount Everest hat die olympische Flamme schon erreicht, 2008 vor den Spielen in Peking. Im chinesischen Fernsehen heulten die Moderatoren dazu, angeblich vor lauter Rührung. Doch das olympische Motto „höher, schneller, stärker“ gilt auch für die Organisatoren, weshalb die Russen die Flamme vor den Winterspielen 2014 in Sotschi in den Weltraum schießen möchten. Ungewollt zeigen sie damit das Problem der olympischen Bewegung: Sie ist unglaublich abgehoben.

Nachdem die Organisatoren der Pekinger Spiele den Fackelzug um die ganze Welt laufen ließen, hatte das IOC den Gigantismus eigentlich eindämmen wollen. Nur noch durch Griechenland und das Ausrichterland sollte das Feuer wandern. Doch Russland ist groß genug für einen gigantischen Fackellauf. Vor allem ist Russland an der Internationalen Raumstation ISS beteiligt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Leistung irgendjemand schlagen kann“, sagt Organisationschef Dimitri Tschernyschenko nun.

Doch warum sollen die nächsten Ausrichter nicht einen ebenso behandlungsbedürftigen Ehrgeiz entwickeln? Rio de Janeiro etwa könnte 2016 einen Vulkan zum Ausbruch bringen und damit die höchste olympische Flamme erzeugen oder die Brandrodung des Regenwalds zum größten olympischen Feuer der Geschichte erklären.

Das IOC hat schon 2008 tatenlos zugeschaut, wie die Chinesen gefackelt haben. Die Chance, dieses Symbol wieder in die eigenen Hände zu bekommen und beispielsweise daraus eine einfache Staffel von Jugendlichen zu machen, verfliegt gerade. Offenbar hat das IOC noch immer kein Interesse daran, die Olympischen Spiele zu erden.

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