Sport : Unheilige Allianz

Silvio Berlusconi und Adriano Galliani haben Italiens Fußball fest im Griff

Vincenzo Delle Donne

Mailand. Silvio Berlusconi fängt wieder an, Gefallen zu finden an seinem Lieblingsspielzeug. Mit einigen Hochs und Tiefs währt diese Freude schon seit 1987. Aber noch immer verschwendet der italienische Ministerpräsident keinen Gedanken daran, seine privaten Reichtümer in die Hände eines Treuhänders zu geben, noch will er das Amt des Präsidenten beim AC Mailand aufgeben. Interessenkonflikt hin, Kritik her.

Im Gegenteil: Seit der AC Milan nun mit dem Lokalrivalen Inter wieder die Tabelle der Serie A anführt, entdeckt Berlusconi seine alte Passion neu und ignoriert diese leidige Angelegenheit. Mit Trainer Carlo Ancelotti, der noch unter dem höchst erfolgreichen Arigo Sacchi nicht nur als Spieler gedient, sondern auch das Trainerhandwerk gelernt hatte, hat der AC Milan nach mageren Jahren offenbar die Wende geschafft. Die Tore von Filippo Inzaghi und Rivaldo, dem „Außerirdischen“ (Gazzetta dello Sport), entschädigen Berlusconi für manche sportliche Enttäuschung in jüngster Vergangenheit.

Ein fußballerischer Interessenkonflikt belastet auch Berlusconi-Intimus Adriano Galliani. Über Jahre war Galliani als Vizepräsident bzw. als Geschäftsführer Berlusconis Erfüllungsorgan bei Milan. Berlusconi dachte und lenkte, Galliani führte aus. Das Duo agierte in ewiger Eintracht. In den letzten Jahren allerdings ohne besonderes Glück. Als der Verband der Profiklubs im Frühjahr nicht in der Lage war, einen neuen Ligaausschusspräsidenten zu wählen und ein Machtvakuum entstanden war, sprang Galliani in die Bresche. In einer Zeit, in der die Bankrotterklärung der ganzen Serie A droht, ist ein gekonntes Krisenmanagment wichtiger denn je. Galliani offerierte sich als der neue starke Mann des italienischen Fußballs und wurde gewählt. Außerdem verfügt er natürlich über exzellente Kontakte zur obersten Spitze des Staates. Die Verstrickung sieht nun so aus: Der Milan-Vizepräsident ist gleichzeitig Ligaausschusspräsident, der wiederum der Intimus vom Milan-Präsidenten ist, der wiederum gleichzeitig auch Ministerpräsident ist. Das Hauptargument für Gallianis Wahl war: Von dieser Allianz könne der italienische Fußball insgesamt profitieren.

Einstweilen ist Milan indirekt Nutznießer von Gallianis Machtfülle. AC-Legende Gianni Rivera, der in der letzten Mitte-Links-Regierung politische Ämter bekleidete, merkt dazu kritisch an: „Wenn der Ministerpräsident mit seinen vielen Interessenkonflikten leben kann, warum soll man sich entrüsten, wenn andere es auch tun?“ Außerdem sei Galliani ja von den Klubs in sein Amt gewählt worden.

Offene Kritik erntet Adriano Galliani inzwischen nur noch von Roma-Präsident Franco Sensi, der auch gegen Galliani für das Amt des Ligaausschusspräsidenten kandidierte. „Galliani muss unbedingt seinen Interessenkonflikt lösen“, verlangt Sensi gebetsmühlenartig. Der Römer kritisiert, dass Galliani eine „unheilige Allianz“ mit Giraudo, dem Geschäftsführer von Juventus Turin, geschlossen habe, mit der die Geschicke des Fußballs nur in ihrem Sinne gelenkt werden sollen, das Ganze ginge beträchtlich zu Lasten kleinerer Klubs. „Ich habe weder vor Galliani noch vor Berlusconi noch vor Giraudo Angst“, bekennt Sensi.

Einige kleinere Klubs haben unlängst den Aufstand geprobt, als es um bessere Konditionen für ihre Pay-TV-Verträge ging. Mit Erfolg. Mit einem Streik, der eine Verschiebung des Meisterschaftsbeginns verursachte, erreichten sie eine Verdopplung der Offerte für die Fernsehrechte.

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