Sport : Union bald ohne Spieler?

Rechtsanwalt Gunter Krebs über Änderungskündigungen

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Der 1. FC Union will der Insolvenz vorbeugen, indem er Gehälter bis Saisonende um 20 Prozent kürzen will, notfalls über Änderungskündigungen. Ist das rechtens?

Finanzielle Schwierigkeiten allein rechtfertigen keine Änderungskündigung. Auch ein Arbeitgeber, der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, ist grundsätzlich an geschlossene Verträge gebunden.

Reicht denn vor dem Arbeitsgericht das Argument nicht aus, dass Union bald pleite wäre, wenn nichts passiert?

Der Verein muss darlegen, dass er alles unternommen hat, um die Betriebskosten zu senken und ohne Senkung der Personalkosten die Lizenzspielerabteilung geschlossen werden müsste. Erst dann könnte er an die Lohnkosten ran, wobei der Grundsatz gilt, dass die Kürzungen für die Arbeitnehmer zumutbar sein müssen. Problematisch ist, dass die Vereine vor der Saison neue Arbeitsverträge geschlossen haben, obwohl sie da schon wussten, dass sie weniger Geld zur Verfügung haben würden wegen der KirchKrise.

Was passiert denn, wenn die Spieler dem reduzierten Angebot nicht zustimmen?

Dann sind die Arbeitsverhältnisse vom rechtlichen Standpunkt aus beendet, und Union hätte keine Spieler mehr.

Wie sieht der zeitliche Ablauf aus?

Bei einer Änderungskündigung haben die Spieler eine Überlegungsfrist. Akzeptieren sie das geänderte Vertragsangebot nicht, können sie Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Dort kommt es drei, vier Wochen später zu einem Gütetermin. Gibt es keine Einigung, wird ein Kammertermin anberaumt. Der findet dann zwei, drei Monate später statt. Kommt es dann auch noch zu einer Berufung, würde die günstigstenfalls bis Oktober 2003 entschieden.

Und wenn der Arbeitgeber durch alle Instanzen hindurch verliert, was dann?

Dann muss er nachzahlen, und, wenn er das nicht kann, Insolvenz anmelden.

Das Gespräch führte Karsten Doneck.

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