Union Berlin : Mit Schulden kennt er sich aus

ISP-Geschäftsführer Dieter Fietz war schon früher zwischen Moskau, Parchim und Liechtenstein in dubiose Geschäfte verwickelt.

Michael Rosentritt

Berlin - Die Brust ist blank. Der 1. FC Union sucht einen neuen Hauptsponsor, der das Trikot seiner Fußballprofis schmücken soll. Vor einer Woche ist dem Zweitliga-Aufsteiger sein bisheriger Hauptsponsor International Sport Promotion (ISP) unter skandalösen Umständen abhandengekommen. Zuvor war bekannt geworden, dass Jürgen Czilinsky, der Aufsichtsratschef von ISP, ein früherer Führungsoffizier der Staatssicherheit war. ISP wollte zehn Millionen Euro in fünf Jahren in den Verein stecken. Eine Summe, die bei Union niemanden hellhörig werden ließ. Nach nur 60 Tagen der gemeinsamen Partnerschaft ist der Spuk vorbei. Hoffen sie bei Union.

Zwar beteuern beide Seiten, dass sie an einer ordentlichen Klärung interessiert seien, als wahrscheinlicher gilt aber, dass ein juristisches Tauziehen folgt. Als Grund für die Kündigung wurden von Union „falsche Angaben des Vertragspartners beim Zustandekommen des Vertrages“ angeführt. Streit dürfte es unter anderem darüber geben, ob der Kündigungsgrund rechtsgültig ist. Wird Union das bereits teilweise erhaltene Geld (von einer sechsstelligen Summe ist die Rede) zurückzahlen müssen? Und werden nicht gegenseitig Schadenersatzforderungen erhoben? Fakt ist, dass unter diesen Umständen die Suche nach einem neuen Sponsor deutlich erschwert ist.

Der als Stasi-Offizier enttarnte Czilinsky war am Montag zurückgetreten. Nicht ganz freiwillig, wie zu hören ist. Dieter Fietz wähnt sich auf der sicheren Seite. Das könnte sich bald ändern. Dem Tagesspiegel liegen Information über die mitunter dubiosen Geschäfte des 66-Jährigen vor. Fietz ist der eigentliche Chef der ISP. Seine geschäftliche Vergangenheit füllt mehrere Aktenordner. Noch unter der Woche, als der FC Bayern zum Freundschaftsspiel in der Alten Försterei auftrat, sagte er: „Für mich waren die Eisernen immer eine Herzensangelegenheit. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass mein Engagement mit ISP zur Belastung für den Verein werden könnte.“

Offiziell fungiert Fietz als Managing Director. Bei der Chamber of Commerce in Dubai wird ISP allerdings nicht, wie behauptet, unter der Aktennummer 1122009 und der Lizenznummer 4818 geführt. „Unsere Angabe ist so nicht korrekt“, sagte Fietz dem „Spiegel“ auf Nachfrage. Das Unternehmen sei im nahe Dubai gelegenen Emirat Adschman gemeldet. Fakt ist, dass Fietz sämtliche Anteile des Unternehmens persönlich hält.

Zu den in der Öffentlichkeit nie gänzlich geklärten Tätigkeitsfeldern der hinter ISP stehenden Firmengruppe sollen Umweltmanagement und Rohstofferschließungen im arabischen und afrikanischen Raum gehören. Insider der Branche und ehemalige Geschäftspartner des Herrn Fietz bezweifeln das. Sie gehen davon aus, dass die Angabe der Geschäftsfelder in erster Line der Ablenkung diente. Frei nach dem Motto: Wer sich um Müll und Bodenschätze in Afrika kümmert, verdient dabei viel Geld.

Dieter Fietz ist ein alter Bekannter bei Union. In den Siebzigerjahren war er dort als Spieler und später als Trainer tätig. Mitte der Achtzigerjahre kehrte er als stellvertretender Vorsitzender für Ausbildung und Erziehung zu Union zurück. Zwischenzeitlich war er im unterklassigen Fußball tätig. 1992 war er kurzfristig Trainer bei Blau-Weiß 90 Berlin, ehe er zu einer Art Generalbevollmächtigten von ZSKA Moskau wurde.

Noch Anfang Juli dieses Jahres beschwerte sich Unions Sportdirektor Christian Beeck über die kritischen Nachfragen zum Sponsor ISP: „Es steckt viel Arbeit in diesem Vertrag. Monatelange Gespräche, die mit viel Herz und Leidenschaft geführt wurden. Unverständlich, dass immer das Haar in der Suppe gesucht wird.“ Kritiker werfen Union nicht erst jetzt vor, fahrlässig gehandelt zu haben. Mit der hektischen Kündigung des Sponsorvertrages habe der Klub sich zwar ehrenvoll verhalten, doch bliebe die Frage, ob die Vorstandschaft desselben Klubs nicht leichtfertig gehandelt hat im Sommer. Wenn sich ein so großes Geschäft anbahnt, müsste insbesondere die Bonität des Vertragspartners genau geprüft werden. Beispielsweise hätten die Verantwortlichen um Präsident Dirk Zingler fragen können, auf welchen Geschäftsfeldern Fietz seit der Wende tätig war. Und mit welchem Erfolg. Man hätte auch nur prüfen brauchen, wo Fietz wohnt, wo er polizeilich gemeldet ist. Man hätte leicht Antworten finden können. Die geschäftlichen Tätigkeiten des Herrn Fietz ließen sich so auf einen Nenner bringen: Wo Fietz aufgetreten ist, hat er oft Schulden hinterlassen.

Die ISP hat in Deutschland keine Adresse, nicht mal einen Briefkasten. Post sei bitte bei der in der Storkower Straße beheimateten ISO einzuwerfen. Das ist eine Firma von Jürgen Czilinsky, die wiederum geschäftlich mit der ISP verbandelt ist. Union hätte ebenfalls in Erfahrung bringen können, dass Fietz derzeit nicht melderechtlich registriert ist in Deutschland. „Die gesuchte Person ist nach unbekannt abgemeldet. Es bestehen keine weiteren Meldeanschriften“, heißt es in einem Schreiben des Bezirksamts Lichtenberg, das dem Tagesspiegel vorliegt. Unklar bleibt damit, wie Union an das vertraglich zugesicherte Sponsorengeld hätte kommen wollen, wenn der Vertragspartner seinen Verpflichtungen mal nicht nachgekommen wäre. Wie hätten Forderungen gegenüber dem Hauptsponsor vollstreckt werden können, wenn im Inland keine Vermögenswerte, möglicherweise nicht einmal eine ladungsfähige Anschrift vorhanden ist? Vermutlich ist der Sitz von ISP nur aus dem Grund in einem arabischen Emirat, da dort keine Pfändungsmaßnahmen von Deutschland ausgeführt werden können. Aber deutsche Gläubiger hat Fietz zur Genüge.

Als sicher gilt, dass Fietz sich mit dem Deal über Union einen neuen Markt erschließen wollte. Nach Recherchen des Tagesspiegels hat Fietz in der Vergangenheit mehrere von ihm gegründete Firmen in schwerste Wasser geführt. Erwähnt seien hier nur zwei Beispiele. Etwa die Eumako GmbH, eine Dienstleistungs- und Vermittlungsgesellschaft, die sich vorrangig um Versicherungs- und Finanzierungsgeschäfte kümmerte. Als die Geschäfte nicht mehr liefen, verlagerte die Eumako ihren Sitz nach Parchim, wo sie versuchte, den Flughafen Parchim-Schwerin zu übernehmen und zu betreiben. Dabei ging es um lukrative Frachtgeschäfte mit China und Russland. Fietz scheiterte mit diesem Vorhaben und erhielt später Hausverbot für das gesamte Flughafenareal. Die Eumako wurde Anfang des Jahrzehnts sogar wegen Vermögenslosigkeit von Amts wegen gelöscht. Die Unterlagen liegen dieser Zeitung vor.

Seit Mitte der Neunzigerjahre ist Fietz im Visier der Steuerfahndung. Insbesondere mit Geschäften, die er über die „High-Technology Aktiengesellschaft“ abwickelte. Die „HTAG“ ist eine Art Stiftungsgesellschaft, als deren Treuhänder offiziell ein Konsul Dr. Dr. Walser fungiert, Inhaber der Firma soll Fietz gewesen sein, was allerdings nie nachgewiesen werden konnte. Die „HTAG“ sammelte in Deutschland Geld, das in zwei Hotelprojekte in Moskau eingesetzt werden sollte. Seit Mitte der Neunzigerjahre ist Fietz als Hotelmanager in der russischen Hauptstadt tätig. Zwischenzeitlich hatte er dort seinen Wohnsitz. Die „HTAG“ versprach den Geldgebern eine stattliche Gewinnbeteiligung. Doch sie war nichts anderes als eine Briefkastenfirma, die ihren Sitz im Fürstentum Liechtenstein hatte, dort aber keine geschäftliche Tätigkeit ausübte. Es gab weder eine Telefonnummer noch Mitarbeiter. Das Bundesamt für Finanzen fahndete diesbezüglich in Folge einer anonymen Anzeige, konnte aber das Konstrukt nicht vollständig durchschauen.

Ein Teil der Gläubiger rückte Fietz, der millionentief verschuldet ist, vor zwei Jahren gerichtlich auf den Pelz. Aber nur der Teil, der in Erfahrung bringen konnte, dass sich Fietz in Berlin aufwendig ein Haus bauen ließ. Diverse Gläubiger, die einen vollstreckbaren Anspruch hatten, ließen eine Zwangssicherungshypothek ins Grundbuch des Anwesens von Fietz eintragen. Die Gläubigerschaft ist prominent besetzt. Zu ihr zählen die Deutsche Kreditbank AG und gleich zweimal das Land Berlin. Im Zuge einer Zwangsvollstreckung wurde das Haus samt Grundstück erst beschlagnahmt und im Sommer 2007 zwangsweise versteigert. Der Versteigerungserlös reichte nicht aus, um die gesamten Grundschulden, die auf dem Grundbuch eingetragen waren, zu tilgen. Dadurch verbleiben erhebliche Restschulden, die Fietz bis heute nicht bedient hat.

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