Union Berlin nach dem 0:4 : Jetzt erst recht

Ein Unentschieden, eine deutliche Heimniederlage: Unions Saisonstart ist verpatzt. Doch die sportliche Situation und die Probleme außerhalb des Feldes schweißen Verein und Fans zusammen.

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Enttäuschung und Zuversicht. Silvio (l.) versucht die erste Heimniederlage zu verkraften, Unions Trainer Uwe Neuhaus blickt schon wieder nach vorne. Foto: dpa
Enttäuschung und Zuversicht. Silvio (l.) versucht die erste Heimniederlage zu verkraften, Unions Trainer Uwe Neuhaus blickt schon...Foto: dpa

Berlin - Wer die Gepflogenheiten beim 1.FC Union nicht kennt, dem kamen die Ereignisse nach dem Spiel gegen Greuther Fürth höchst merkwürdig vor. Gerade hatten die Berliner mit 0:4 ihr erstes Heimspiel der Saison verloren, da machten sie sich zu einer Danksagung im Stadion An der Alten Försterei auf. Das Publikum jubelte, sang und beklatschte seine Helden – trotz der hohen Niederlage. Später erklärte Trainer Uwe Neuhaus fast entschuldigend: „Als Fremder muss man denken, die sind ja alle bekloppt. Erst verlieren sie 0:4 und dann gehen sie auch noch auf die Ehrenrunde.“

Doch die gute Stimmung verstellte den Blick auf das sportliche Desaster und die Fakten. Nur ein Punkt aus den ersten zwei Spielen, ein Torverhältnis von 1:5 – der 1. FC Union hat einen klassischen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. „Rein punktetechnisch betrachtet muss man das wohl so sehen“, sagte Patrick Kohlmann. Der Linksverteidiger führte das Team auch am Sonnabend als Kapitän aufs Feld, weil Torsten Mattuschka nach einer Verletzung noch nicht von Beginn an auflaufen konnte.

Kohlmann hatte sich wie alle beim 1. FC Union mehr Punkte zum jetzigen Zeitpunkt erhofft, und doch schien sich die Enttäuschung in Grenzen zu halten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die vergangene Woche zählte sicher nicht zu den erfreulichsten aus Sicht des Berliner Zweitligisten. Zuerst gab es die Aufregung um Präsident Dirk Zingler, dessen Vergangenheit bei einem Wachregiment der Stasi bekannt wurde und dem Klub eine lebhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Historie bescherte, weil Unions Anhängerschaft aus DDR-Tagen als regimekritisch bekannt ist. Nur einen Tag später kam heraus, dass Torhüter Marcel Höttecke Ärger mit der Justiz hat, nachdem er zwei Polizisten übel beleidigt haben und zur Strafe 16 150 Euro zahlen soll. Und als wäre das alles nicht schon genug, verhandelt das Arbeitsgericht Berlin heute auch noch die Klage des ehemaligen Teammanagers Christian Beeck gegen dessen vorzeitige Kündigung im Mai.

All das schien Fans und Verein noch näher zusammenrücken zu lassen und so konnten auch die vier Gegentore der technisch versierten Fürther den Anhängern ihre gute Laune nicht verderben. Zumal das Team bei weitem nicht so schlecht gespielt hatte, wie es das Ergebnis vermuten lässt. „Die Mannschaft hat alles gegeben“, sagte Uwe Neuhaus und Defensivspezialist Christoph Menz fand gar, dass „das Spiel auch 3:3 hätte ausgehen können.“ Das war übertrieben, sollte aber heißen: Union war nicht chancenlos. Simon Terodde, Marc Pfertzel und Markus Karl vergaben aber beste Möglichkeiten. Selbst einen Elfmeter konnte Union nicht nutzen. Torsten Mattuschka scheiterte an Fürths Torhüter Max Grün. „Bei uns ging nichts, beim Gegner alles“, sagte der Kapitän.

Unions Niederlage aber nur an den vergebenen Torchancen festzumachen, wäre nicht richtig. Zu groß waren die Probleme, welche die flinken Fürther Angreifer Oliver Occean und Tayfun Pektürk der Berliner Abwehr bereiteten. Dabei sahen vor allem die Innenverteidiger Christian Stuff und Ahmed Madouni nicht gut aus. Auch Torhüter Marcel Höttecke hatte nicht seinen besten Tag und ließ sich beim ersten Tor der Gäste mit einem Schuss in die Torwartecke düpieren. „Wir hatten große Probleme mit unseren Gegenspielern“, sagte Neuhaus. „Das werde ich mir sicher noch mal ansehen müssen.“ Neben der anfälligen Defensive bereitete auch John Jairo Mosquera Unions Trainer Sorgen. Der Stürmer musste das Feld schon wenige Minuten nach seiner Einwechselung mit einer Oberschenkelverletzung verlassen. Auf die Ehrenrunde konnte Mosquera nicht mehr mitgehen.

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