Union Berlin : Psychologie heute

Trainer Neuhaus bildet sich weiter. Zuletzt war das Fach Psychologie an der Reihe, denn darauf wird es heute ankommen, wenn sein 1. FC Union in der Alten Försterei gegen Arminia Bielefeld antritt.

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Unions Trainer Uwe Neuhaus.
Unions Trainer Uwe Neuhaus.Foto: dpa

Uwe Neuhaus begreift seinen Job als vielschichtiges Konstrukt. Es geht dem Trainer schon lange nicht mehr nur um die nackte Vermittlung von Fußballkunst, immer wieder bildet er sich unter Zuhilfenahme von Fachliteratur auf anderen Gebieten weiter. Zuletzt war das Fach Psychologie an der Reihe, denn darauf wird es heute ankommen, wenn sein 1. FC Union in der Alten Försterei gegen Arminia Bielefeld antritt (13.30, live bei Sky). „Entscheidend ist es, mit einem klaren Kopf in solch ein Spiel zu gehen“, sagt Neuhaus. „Wir dürfen nicht denken, dass es automatisch geht.“ Der Verdacht des bereits eingespeicherten Sieges könnte sich aufdrängen, wenn der Spielplan einen Gegner wie diesen ausweist. Gegen wen, wenn nicht Arminia Bielefeld soll Union denn bitteschön zu Hause gewinnen? Bielefeld, dieser abgeschlagene Tabellenletzte, der die Klasse vielleicht nicht mal halten würde, wenn er alle ausstehenden Partien gewänne.

Es liegt schon eine Weile zurück, dass die Köpenicker zusammen mit den Fans im eigenen Stadion jubeln konnten. Der letzte Heimerfolg datiert vom 14. Januar, seither hat es zu Hause vor allem an Kreativität und Konsequenz gemangelt. Die Schuld dafür hat der Verein selbst immer wieder beim – mittlerweile erneuerten – Rasen gesucht, doch das Rumpelfeld darf wohl kaum als einzige Erklärung gelten. Zu wenig machten die Berliner aus ihren durchaus vorhandenen Möglichkeiten; bei der Spielgestaltung hatten sie so ihre Probleme. Dass der betriebene Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag steht, wie Trainer Neuhaus es ausdrückt, könnte einem bekannt vorkommen – nur sah es so vor einiger Zeit noch auf fremden Plätzen aus. Doch aus der eklatanten Auswärtsschwäche der Vergangenheit ist zumindest eine latente Heimschwäche geworden.

Eine viel bessere Chance als am Sonntag, daran etwas zu ändern, werden die Köpenicker in dieser Saison wahrscheinlich nicht mehr bekommen. Schließlich hat Arminia in dieser Saison überhaupt erst einmal drei Punkte auf fremdem Platz geholt. Da kann man wie Unions Defensivmann Paul Thomik schon mal von seinem Team verlangen, „das Spiel zu machen und zu dominieren“ – trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Angreifer Santi Kolk. Und dann ist da ja noch der einzige Auswärtssieg der Hinrunde, den Union, natürlich, in Bielefeld errungen hat. Viel spricht heute also nicht für die Ostwestfalen, vielleicht nicht viel mehr als der Kopf. „Das Unterbewusstsein lässt sich eben nicht zu einhundert Prozent ausschalten“, sagt Uwe Neuhaus. Mit seinem Psychologieunterricht hat der Trainer des 1. FC Union aber einiges dafür getan, nah dran zu sein an dieser Marke.

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